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Göttingen 16. Niedersächsischer Life-Science-Tag
Campus Göttingen 16. Niedersächsischer Life-Science-Tag
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17:27 06.09.2018
Dr. Bernd Schieche (HAWK) und Prof. Wolfgang Viöl (re.) zeigen die Plasma-Behandlung bei Hautkrankheiten wie Neurodermitis. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Wunden verschließen, die als unverschließbar galten, das Vorkommen von multiresistenten Keimen reduzieren oder Schädlinge in der industriellen Landwirtschaft bekämpfen – die Einsatzmöglichkeiten von Plasmatechnologie sind vielfältig. Welche Anwendungsbereiche, Verfahren und Chancen sich durch die Verwendung des Teilchengemisches ergeben, damit beschäftigten sich am Donnerstag etwa 100 Wissenschaftler und Unternehmer in Vorträgen beim 16. Niedersächsischen Life-Science-Tag. Organisiert wurde die Veranstaltung im Sartorius College von der BioRegionN, Niedersachsens Netzwerk für Lebenswissenschaften, und der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen (HAWK).

„Wenn Sie heute eine neue Idee für ein Produkt entwickeln, dann waren wir erfolgreich“, sagte Dr. Maike Rochon von der BioRegionN in ihrer Ansprache. Innovation entstehe an Schnittstellen, deshalb gehe es beim Life-Science-Tag darum, wesentliche Kooperationspartner aus Wissenschaft und Wirtschaft zusammenzuführen.

Erforschung und Anwendung von Plasma

Einen Überblick über die Forschung und Anwendung von Plasma gab Professor Dr. Wolfgang Viöl von der HAWK. 99 Prozent des Universums bestünden aus Plasma, erklärte er. Die Sonne beispielsweise sei ein „gigantischer Plasmaball“, auf der Erde selbst hingegen komme Plasma eher selten vor, unter anderem als Naturphänomen in Form von Blitzen oder Polarlichtern. Plasma werde neben fest, flüssig und gasförmig oft als vierter Aggregatzustand bezeichnet. Es könne künstlich hergestellt werden, indem Gas eine große Menge Energie zugeführt werde, zum Beispiel durch Erhitzen oder elektrische Spannung, erklärte Viöl. Auf diesem Weg werden die Elektronen aus ihrem Atom gelöst. Das Ergebnis sind ionisierte Atome, also positiv geladene Kerne, die Ionen, und negativ geladene freie Elektronen. Plasma ist demnach ein Teilchengemisch aus Ionen und Elektronen, oder einfacher gesagt, ein leitfähiges Gas aus geladenen Teilchen.

Vor 20 Jahren sei Niedersachsen „eine Plasmawüste“ gewesen, mittlerweile gebe es acht Unternehmen, die Plasma-Anlagen herstellen, berichtete Viöl. Täglich suchten Wissenschaftler nach Möglichkeiten, Plasma anzuwenden und seine speziellen Eigenschaften für den Menschen nutzbar zu machen. So könnten in der Medizin mithilfe von sogenanntem kalten Plasma bereits Wunden geheilt sowie Bakterien und Pilze zerstört werden, was bei der Behandlung von Hautkrankheiten hilfreich sei. Medizinisches Plasma werde immer wichtiger, zum Beispiel, um Amputationen zu verhindern. Die Industrie verwende Plasma unter anderem, um Oberflächen so zu bearbeiten, dass sie hinterher entweder besonders aufnahmefähig für Lacke oder andere Stoffe sind oder auch wasserabweisend wirken.

Vorstellung des Clusters „Plasma for Life“

In Göttingen würden verschiedene Anwendungspotenziale von Plasma erforscht. So sei an der HAWK etwa ein Plasma-Läusekamm entwickelt worden, der wie ein regulärer Kamm benutzt werden könne, was Viöl gleich demonstrierte. Dieser Kamm töte Läuse und Nissen ohne jede Chemie, und zwar durch Hochspannungspulse, von denen der Benutzer aber nichts spüre. Ein weiteres HAWK-Produkt ist der Plasma-Handtrockner, der die Hände nicht nur trockne, sondern gleichzeitig auch desinfiziere und so zur Reduzierung von multiresistenten Keimen beitragen könne.

Weitere Vorträge des Life-Science-Tages beschäftigten sich unter anderem mit PlasmaDerm, laut Viöl das „weltweit erste Gerät zur Behandlung des Menschen“, das Plasma unmittelbar auf der Haut erzeugt und die Wundheilung fördern soll, und der Frage, wie Plasma im Bereich der Luftreinigung zur Beseitigung von Gerüchen und Keimen entwickelt und eingesetzt werden kann.

Von Nora Garben

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