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Göttingen Von der Kolonialschule zum Tropenzentrum Witzenhausen
Campus Göttingen Von der Kolonialschule zum Tropenzentrum Witzenhausen
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08:43 10.07.2018
Führung internationaler Gäste durch das Tropengewächshaus der Uni Kassel in Witzenhausen. Quelle: R/Tropenzentrum Kassel-Witzenhausen
Witzenhausen

Internationale Beziehungen in die Tropen und Subtropen – in Witzenhausen haben diese eine lange Tradition. Ausdruck dessen ist unter anderem das Tropenzentrum, das sich zu einem international vernetzten Zentrum der Agrarwissenschaft entwickelt hat. Jetzt feiert es sein 25-jähriges Bestehen.

Im größten geschlossenen Kirschenanbaugebiet Europas machte es Sinn, dass dort 1898 eine Kolonialschule gegründet wurde. Dieser nicht-akademische Lehrbetrieb diente der Ausbildung von Landwirten für die deutschen Kolonialgebiete, um den steigenden Bedarf an tropischen und subtropischen Feldfrüchten zu decken: Kaffee, Kakao, Bananen und ähnliches. Mit dem Zweiten Weltkrieg wurde die Schule aufgegeben.

Forschung in tropischen und subtropischen Regionen

Die Agrarwissenschaften in Witzenhausen wurden jedoch wiederbelebt – 1971 mit der Gründung der Uni Kassel. Als dann Anfang der 1990er Jahre die Fachbereiche umstrukturiert und zum gemeinsamen Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaft zusammengelegt wurden, entstand auch das Tropenzentrum, ein relativ eigenständiges Institut am Fachbereich. Es sollte die Forschung in tropischen und subtropischen Regionen stärken und die alten Kontakte der Tropenschule wieder aufgreifen. „Damals gab es aufgrund des Tropenholzeinschlags, der Ausbreitung von Wüsten und Wasserverknappung relativ viel Interesse an diesen Regionen“, sagt Martin Wiehle, Geschäftsführer des Tropenzentrums.

Während das Tropenzentrum eine Verwaltungs- und Organisationseinheit für internationale Aufgaben mit eigener Projektforschung ist, leisten noch zwei weitere Einrichtungen in Witzenhausen „Tropenforschung“: das DITSL, eine ausgegründete GmbH aus der Uni Kassel, das die alten Liegenschaften der Kolonialschule übernommen hat und eigene Kurse anbietet sowie Forschungsprojekte in Afrika leitet; sowie das Tropengewächshaus, das als Lehr- und Forschungseinrichtung der Uni Kassel dient.

Tropentage an wechselnden Universitäten

er frühere Ansatz des Tropenzentrums jedoch, viele eigene Forschungsprojekte durchzuführen, habe sich etwas gewandelt, so Wiehle. Heute sei man eher eine Kommunikationsplattform und Multiplikator für die internationalen Kontakte – vorrangig in der Betreuung von internationalen Doktoranden sowie von Masterstudiengängen, die sämtlich in Kooperation mit anderen Universitäten bestehen. Einer davon ist etwa Sustainable Agriculture, der zusammen mit der Universität Göttingen angeboten wird.

Zu dem Nachbarn im Norden bestehen ohnehin enge Verbindungen. „Gemeinsam organisieren wir beispielsweise die Tropentage, die größte Konferenz für tropische und subtropischen Forschung in Europa“, sagt Wiehle. Die ist jedes Jahr an wechselnden Universitäten zu Gast, 2019 findet sie wieder in Kassel statt. Zudem teilen sich die Universitäten in Göttingen und Kassel einen gemeinsamen Lehrstuhl, der von Prof. Eva Schlecht besetzt ist, der geschäftsführenden Direktorin des Tropenzentrums.

Neue Schwerpunkte

Obwohl mit 25 Jahren noch eine relativ junge Hochschul-Einrichtung, gibt es angesichts der vielfältigen Tätigkeiten des Tropenzentrums einiges zu feiern. „Internationalität ist ungebrochen wichtig und wir sehen uns zunehmend in einer Schlüsselrolle, diese Entwicklung zu gestalten“, sagt Wiehle. „Deswegen verlagern sich unsere Schwerpunkte auch weg von den Tropen und Subtropen hin zu anderen Bereichen und Nationen.“

Zu seinem Geburtstag organisiert das Tropenzentrum eine Fachtagung mit Festakt: „25 Jahre interdisziplinäre Forschung am Tropenzentrum in Witzenhausen“. Sie beginnt am Freitag, 13. Juli, um 13 Uhr in der kleinen Aula, Campus Nordbahnhofstraße 1a. Weitere Infos online unter gturl.de/Tropenzentrum.

Von Sven Grünewald

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