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18:53 04.05.2017
Auf dem Podium: Ulrike Beisiegel, Andreas Buchleitner, Andrea Hoops, Ulrike Bosse, Götz Neuneck, Christian Forstner und Aurelié Halsband. Quelle: Heller
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Göttingen

Zusammen mit der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) und der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler, die 1959 von Mitgliedern der sogenannten „Göttinger 18“ gegründet wurde,  hat die Präsidentin der Universität, Prof. Ulrike Beisiegel, die Podiumsdiskussion mit anschließender Filmvorführung initiiert. Sie selbst betont in einer Einführung die Wichtigkeit der „dritten Säule“, der sich die Universität neben Forschung und Lehre zu verpflichten habe: der Vermittlung und dem Transfer von Wissen in die Gesellschaft.

Sechs Vertreter aus Wissenschaft und Politik diskutieren, wie Forschungsergebnisse in die Regierungspraxis eingebunden und zur politischen Willensbildung der Bevölkerung beitragen sollte. „Es gibt die Erwartung, dass die Wissenschaft sich einmischt“, sagt Andrea Hoops, Staatssekretärin im Niedersächsischen Wirtschaftsministerium, „nicht erst dann, wenn irgend etwas kritisch ist.“ Mithilfe einer „Transparenz-Offensive“ soll die Bevölkerung über die laufende Forschung informiert werden. Das schließe auch die Offenlegung von Drittmittel-Projekten ein.

Dr. Christian Forstner, Vorsitzender des Fachverbandes „Geschichte der Physik“ der DPG, sieht die Probleme in der Ökonomisierung der Wissenschaft: „Der Ruf nach Transparenz muss größtenteils von außen kommen.“ Vor allem Nachwuchswissenschaftlern fehle die zeitliche und finanzielle Kapazität, ihre Projekte einer größeren Öffentlichkeit mitzuteilen.

Applaus erntet Prof. Andreas Buchleitner, Inhaber des Lehrstuhls für Quantenphysik an der Universität Freiburg, mit seiner Reaktion auf Hoops´ Forderung nach Transparenz: „Die Wissenschaft kommuniziert nicht zu wenig, sie kommuniziert nicht konfliktorientiert genug.“

Am 11. April 1957 erreichte die „Göttinger Erklärung“, unterzeichnet unter anderem von den Nobelpreisträgern Otto Hahn,  Max Born und Werner Heisenberg, die Redaktionen der großen Tageszeitungen und wurde am Folgetag veröffentlicht. Als Reaktion auf die verharmlosenden Äußerungen von Bundeskanzler Konrad Adenauer bezüglich einer atomaren Aufrüstung erntete das Manifest Kritik von Regierungsseite und umso größere Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Die gesellschaftliche wie politische Reichweite dieser Protestaktion ist auch Thema auf dem Podium in der Universitätsaula. Die Aufgabe, fachwissenschaftliche Themen für die Bevölkerung aufzubereiten und zu vermitteln, gewährleiste erst die Meinungsbildung und politische Einflussnahme, sagt Dr. Aurelié Halsband vom Deutschen Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften.

Moderatorin Ulrike Bosse schafft es, in der zeitlich knappen Diskussion ein umfassendes, wenn auch oberflächliches Bild der heutigen Situation zu zeigen. Dass wissenschaftliches Forschen mit großer Verantwortung einhergeht, bestreitet an diesem Abend niemand. Wie der Umgang mit dieser Verantwortung in der Praxis aussieht, bringt Prof. Götz Neuneck von der Universität Hamburg in seinem Schlusssatz auf den Punkt: „Es geht letztendlich um den Zweck der Sorge für den Menschen.“

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