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90 Minuten fesselnde Gedanken

Der amerikanische Philosoph John Searle über "Direct Realism" 90 Minuten fesselnde Gedanken

Es war nicht nur ein Vortrag, es war ein Event: John R. Searle, einer der bedeutendsten Philosophen der Gegenwart, hat am 7. Juni auf Einladung des Präsidenten der Göttinger Akademie, Prof. Andreas Gardt, in der Alten Mensa über "Seeing Things As They Are: Exposing the 'Bad Argument‘" gesprochen.

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John R. Searle, einer der bedeutendsten Philosophen der Gegenwart, bei seinem Vortrag.

Quelle: r

Göttingen. Die Besucher, darunter zahlreiche Studierende, passten kaum in den Adam von Trott-Saal, wer keinen Sitzplatz fand, drängte auf einen Stehplatz an der Wand oder hockte sich auf den Boden. Für das Interesse fand Holmer Steinfath, Professor für Philosophie an der Universität Göttingen, in einer Kurzvorstellung des US-amerikanischen Sprachwissenschaftlers die passenden Worte:  „Wer sich für neuere Philosophie interessiert und dabei nie auf den Namen „Searle“ gestoßen ist, hat etwas falsch gemacht“.

Searle, 1969 mit seinem Hauptwerk „Speech-acts“ berühmt geworden, sprach über das Thema seines jüngsten Buches. Darin geht es um eine Theorie der sinnlichen, insbesondere der visuellen Wahrnehmung. Die klare Botschaft lautet: Wir haben über die Wahrnehmung einen direkten Zugang zur Wirklichkeit, wie sie ist; wir sind nicht gefangen in der Perspektive unseres Wahrnehmens, und unsere subjektiven Eindrücke sind keinesfalls das einzige, was uns in der Wahrnehmung zugänglich sein kann. Searle stellt sich mit dieser Annahme gegen jene Philosophen, die seit Jahrhunderten immer wieder die Ansicht vertreten, dass wir die Welt um uns herum nur durch den Filter unserer Wahrnehmungsorgane und unserer Überzeugungen betrachten können, sie aber nicht erkennen, wie sie tatsächlich ist.  

Searle gelang es, seine Positionen direkt und anschaulich darzustellen. Immer wieder wählte er Beispiele des täglichen Lebens, um seine Position des „Direct Realism“ zu verdeutlichen. Daneben streute er Hinweise dazu ein, was den Menschen in seinen geistigen Fähigkeiten einerseits gegenüber dem Computer, andererseits gegenüber den Tieren auszeichnet. Und immer wieder brachte der 83 Jahre alte Philosoph, der 90 Minuten in Turnschuhen frei sprechend und Gedanken sprühend über die Bühne spazierte, das Publikum zum Lachen.

So erwähnte er beiläufig die Namen aller seiner Hunde, - es waren alles Namen großer Philosophen. Das Mikrofon, das hin und wieder ausfiel, bezeichnete er als „hightech stuff“, und als ihm ein Ersatzgerät gebracht wurde, meinte er darin den Hinweis zu erkennen, schon zu lange geredet zu haben. Tatsächlich – und  in Bezug auf diese Wahrnehmung dürften sich alle Besucher einig sein – hätte die Fragerunde am Ende des Vortrags noch stundenlang weitergehen können.

Von Adrienne Lochte

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