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Göttingen Im Club der unberechenbaren Demokraten
Campus Göttingen Im Club der unberechenbaren Demokraten
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21:28 21.09.2017
Luuk van Middelaar Quelle: Foto: Hinzmann
Göttingen

Er wolle nicht über die großen Herausforderungen sprechen, erklärte van Middelaar. Das hätten sicher seine Vorredner bereits getan. Er wolle drei dahinter liegende Themen aufgreifen: das Schützen, das Improvisieren und das Wiedersprechen oder wenigstens den Widerspruch zuzulassen - und die Rolle Deutschlands dabei beleuchten.

Seit 1989 habe sich die Welt verändert. In Europa herrsche nicht mehr die Zeit des Regulierens - beispielsweise der Krümmung von Bananen - sondern des Handelns. Man müsse antworten finden, damit sich Aufbegehren der neuen Rechten nicht wiederhole. Das neue Europa müsse auf die neue Zeit reagieren und das Gegenteil von dem tun, was es bislang getan habe, so van Middelaar.

Es müsse eine Schutzfunktion übernehmen, so Middelaars These. Bislang sei Europa gut gewesen für all jene, die für Offenheit sind, für die Wirtschaft, für Studenten, Wohlhabende und jene, die nichts zu verlieren haben. Aber: „Europa hat die aus den Augen verloren, die gerne sesshaft sind.In Europa bestehe die Bedrohung nicht zwischen den Eliten und dem Volk, sondern zwischen der einen und der anderen Hälfte der Bevölkerung. Van Middelaar: „Es geht um Raum und Ort.“ Raum stehe dabei für Bewegung, Möglichkeiten und Geschwindigkeit, der Ort stehe für Schutz, Stabilität, Zugehörigkeit und ein Heim. Seine poetische Schlussfolgerung: „Der Mensch braucht Raum zum Fliegen und ein Nest.“ Und: „Wir haben nie an Europa als Zuhause gedacht. Dafür zahlt Europa jetzt mit dem Wähleraufstand.“ Wichtig sei es jetzt, das richtige Gleichgewicht zu finden zwischen Freiheit und Schutz.

Eine neue Politik in Europa

Als zweites Thema erläuterte van Middelaar die Notwendigkeit des Improvisierens. Was tun wenn ein EU-Mitglied droht, Pleite zu gehen und man nur ein Wochenende hat um riesige Summen aufzutreiben? Was tun, wenn eine große Zahl von Flüchtlingen „auf die regeln von Dublin und Schengen pfeift? „Das Europa des Marktes war nicht gut vorbereitet, auf Widrigkeiten zu reagieren“, meint Middelaar. Eine neue Politik entstehe in Europa gerade, in dem „Europa als Club unberechenbarer Demokraten“. Hier sei das Improvisieren „eine unverzichtbare Tugend für spezielle Momente“. Seit zehn Jahren habe sich die Wahrnehmung Deutschlands von außen stark geändert. „Berlin prägt die europäische Politik mehr, als es sich vielleicht bewusst ist.“ Aber, so Middelaar: „Unterschätzt wird in Berlin, dass gut gemeinte Beschlüsse wie nacktes Eigeninteresse aussehen können.“ In der Griechenlandkrise habe Außenminister Wolfgang Schäuble (CDU) „unter diesem blinden Fleck gelitten“, als er auf die regeln pochte und als unbarmherziger Machtpolitiker wahrgenommen worden sei. Franzosen wie Sarkozy und Macron nutzten Krisen, um zu zeigen, was sie können. „Die Deutschen schätzen Politiker, die absorbieren können, die wie Mutti Merkel auf Sicht fahren“, sagte van Middelaar.

Um das Aushalten von Widerspruch ging es Middelaar abschließend, „ganz schwierig und ganz einfach“. Die Widersacher spielten eine wichtige Rolle, sie machten Unterschiede deutlich - sie durchbrechen die Logik der Entpolitisierung“.

Von Peter Krüger-Lenz

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