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Abschlusskonzert eines Workshops des Jazzmusikers Gunter Hampel

„Urmusik des Seins“ Abschlusskonzert eines Workshops des Jazzmusikers Gunter Hampel

„Wir hatten drei Tage zum Kennenlernen und harten Arbeiten“, berichtet der Jazzmusiker Gunter Hampel über den Workshop, den er mit Studenten der Musikwissenschaft und Kulturanthropologie an der Uni Göttingen durchgeführt hat.

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Immer auf der Suche nach neuen musikalischen Ideen: Gunter Hampel.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. „Und doch wurde nichts eingeprobt oder einstudiert – alles was wir aufführen ist improvisiert.“ Am Sonnabend gab der Göttinger Musiker im Accouchierhaus zusammen mit Workshop-Teilnehmern ein gut besuchtes Abschlusskonzert – und brachte zugleich sein Schaffen auf ein neues Niveau.

Es ist wie ein Stammes-Ritual: Hampel, die Musiker seiner Band und die zwanzig Workshop-Teilnehmer ordnen sich im Kreis an. Viele schlagen Rhythmen auf Perkussion-Instrumente oder singen. Zu den aus dem Augenblick geschaffenen Klängen bewegen sich Tänzer. Immer wieder treten einzelne von ihnen in den Kreis und setzen mit ihren Bewegungen Impulse, die die Gruppe aufgreift.

Die Grenzen zwischen Profis und Workshop-Teilnehmern verschwimmen. Hampel improvisiert über dem Kollektiv-Klang auf der Flöte und dem Vibrafon. Diese vor Energie berstende Performance wirkt archaisch und modern zugleich - zeitlos, ja zeitentrückt.

„Die drei Tage waren angenehm locker und es hat sich ein zwischenmenschliches Vertrauen entwickelt, man durfte auch Fehler machen“, sagt Robin Marlow, der Student der Kulturanthropologie machte erste intensive Erfahrungen als improvisierender Tänzer. „Der Workshop hat mir noch einmal die Bedeutung von Raum und Tanz bewusst gemacht“, so Eric Petzoldt, bereits erfahrener Saxofonist und Student der Musikwissenschaft.

Den zweiten Teil des Abends bestreitet Hampel mit seiner „Music & Dance Improvisation Company“. Dabei sucht er mit dem Schlagzeuger Bernd Oezsevin, der Sängerin Cavana Lee-Hampel nach immer neuen musikalischen Ideen. Die Musiker sind verschmolzen als Einheit mit den Tänzern Danilo Cardoso und Nina Ching-Mei Huang.

Auch diese schöpfen aus dem Augenblick, bewegen sich im Raum, lassen sich von den Musikern inspirierend und regen diese zu neuen Ideen an. Die Künstler verbinden Gegensätze: Die Improvisationen sind hochkomplex in ihren tonalen und rhythmischen Strukturen sowie in der Interaktion der Musiker und Tänzer; doch sie wirken zugleich intuitiv einfach und verspielt.

Hampel fusioniert und transformiert an diesem Abend Jazz, Freie Improvisation und Tanz zu einer ritual-haften und stilübergreifenden „Urmusik des Seins“, die das gesamte geistig-kreative, körperliche und spirituelle Potenzial des Menschen erfasst und ausschöpft. Mit dieser in den vergangenen Jahren entwickelten neuen Qualität erreicht der 78-Jährige eine weitere Dimension in seinem großen Œuvre.

Von Udo Hinz

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