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Ägyptologe Loprieno hält Julius-Wellhausen-Vorlesung

Smileys und Anfänge der Schrift Ägyptologe Loprieno hält Julius-Wellhausen-Vorlesung

Mit den Emoticons, den Zeichenfolgen, die Smileys nachbilden, kehrt die digitale Welt wieder zu den Anfängen der Schrift zurück.

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Professor für Ägyptologie: Antonio Loprieno.

Quelle: ef

Göttingen. Darauf hat der Baseler Ägyptologie-Professor Antonio Loprieno in der Julius-Wellhausen-Vorlesung des Zentrums für Antike und Orient (Coro)  und der Akademie der Wissenschaften hingewiesen.

Aus Bildern, wie sie etwa jungsteinzeitliche Höhlenmaler anfertigten, entwickelten sich an verschiedenen Orten der Erde erste Schriftsysteme, führte der Wissenschaftler in der Paulinerkirche aus. Bei solchen logographischen Systemen steht ein Zeichen jeweils für ein Wort. Loprieno nannte als Beispiel die 3100 von Christus erfundenen Hieroglyphen, die in Stein gehauenen oder auf Papyrus gezeichnet wurden. Zu den logographischen Systemen zählen zudem die in Tontafeln gedrückten Zeichen Mesopotamiens 3200 vor Christuns oder die Indus-Schrift von Mohenjo-Daro 2500 vor Christus.

Solche Schriften sprechen in ihrer Bildhaftigkeit Menschen emotional an, konstatierte der Ägyptologe. Einzelne Wissenschaftler sprechen gar davon, dass die Hieroglyphen Kunst und Sprache auf magische Weise kombinieren.

Hervorheben des Anfangsbuchstabens

In der weiteren Entwicklung wurden die Bildzeichen stilisierter und abstrakter. Bei der konkreten Ausgestaltung der Schrift spielte dabei das verwendete Schreibgerät eine wichtige Rolle. Das zeigte Loprieno am Beispiel der mit einem Griffel in feuchten Ton gedrückten Keilschrift Mesopotamiens.

Anfang der Eisenzeit entstanden die nüchternen Alphabetschriften, bei denen die Zeichen nur noch für einzelne Laute stehen. Die Bilddimension ging verloren. Der Wissenschaftsbetrieb der westlichen Welt unterdrückte sie sogar bewusst. Ein wissenschaftlicher Text enthält viele Fußnoten, aber kein einziges Bild, war lange Konsens, führte Loprieno aus.

Verborgen lebt die bildhafte Ebene in der Alphabetschrift weiter. So zeigt das A einen stilisierten Stierkopf. In der mittelalterlichen Buchmalerei hoben Schreiber Anfangsbuchstaben künstlerisch hervor.

Wissenschaftler binden Bilder ein

Andere kombinierten Texte und Bilder, zeigte Loprieno an einer Kalligrafie des japanischen Zenmeisters Sengai (1750-1837). Dort heißt es: „Wenn ein Mensch nur durch die Übung des Sitzens in Stille ein Buddha wird (...)“. Der zweite Teil des Satzes, „wäre ich armer Frosch schon längst einer“, wird durch das gemalte Tier ausgedrückt.

Auch moderne Künstler spielen mit Schrift und Bildern. Loprieno selbst demonstrierte mit seinem Powerpoint-Vortrag, dass Wissenschaftler heute nicht mehr auf die Einbindung von Bildern verzichten wollen. 

Das Coro organisiert die jährlich einmal stattfindende Wellhausen-Vorlesung seit 2007. Ein Wissenschaftler hält einen Vortrag über ein Thema aus den Gebieten der klassischen und orientalischen Altertumswissenschaften.

Von Michael Casper

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