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Älteste Göttinger Sammlung noch älter als bekannt

Lieferschein aus dem Jahr 1765 Älteste Göttinger Sammlung noch älter als bekannt

Die Gipsabgusssammlung der Universität Göttingen ist zwei Jahre älter als bisher bekannt. Kustos Dr. Daniel Graepler hat die Entdeckung bei der Auswertung von alten Lieferlisten gemacht: Danach wurden für die Sammlung die ersten Büsten, die römische Kaiser zeigen, am 5. September 1765 geliefert.

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Kaiserbüsten aus Herrenhausen.

Quelle: EF

Göttingen. „Wir befinden uns, ohne es zuvor geahnt zu haben, bereits mitten im 250. Jubiläumsjahr“, sagt der Kustos der Sammlung, die nach seinen Angaben die älteste universitäre Abgusssammlung der Welt ist. Bisher glaubte man, der Start der Vorlesung „Über das Studium der Antike“ von Christian Gottlob Heyne, Professor der „Poesie und Beredsamkeit“ und Leiter der Universitätsbibliothek, sei gleichzusetzen mit dem Aufbau der Sammlung.

 

In der Vorlesung ging es um die Wunder der antiken Kunst in den Palästen und Museen Italiens. Dafür zeigte er Abgüsse von den Kunstwerken. „Dies war etwas vollkommen Neuartiges, denn Gipse gab es bis zu dieser Zeit nur an Kunstakademien, nicht aber an Universitäten“, erklärt Archäologe Graepler.

 

Lieferliste vom 5. September 1765. Foto: EF (Zum Vergrößern anklicken)

Quelle:

 

Die Auswertung bislang unpublizierter Briefe Heynes durch Graepler hat nun ergeben, dass die Göttinger Abguss-Sammlung zwei Jahre vor dem Beginn der Vorlesung gegründet wurde. Am 5. September 1765 traf eine erste Lieferung von Abgüssen aus Hannover in Göttingen ein. Insgesamt 18 Bronzebüsten römischer Kaiser und anderer antiker Gestalten hatte Rudolf Erich Raspe, damals Schreiber an der Königlichen Bibliothek in Hannover und ein wichtiger Mittelsmann bei der Beschaffung neuer Literatur für die Göttinger Universitätsbibliothek, für Heyne in Gips abgießen und nach Göttingen schicken lassen. Es handelte sich bei den Vorlagen um Bronzebüsten, die König Georg I. im Jahr 1715 aus dem Nachlass Ludwigs XIV. in Frankreich erworben hatte und im Galeriegebäude von Schloss Herrenhausen bei Hannover aufstellen ließ.

 

Zwar wurden die Büsten während der napoleonischen Besatzung beschlagnahmt und abtransportiert, 1814 kehrten die meisten von ihnen jedoch nach Herrenhausen zurück, wo sie noch heute zu besichtigen sind, an ihrem ursprünglichen Aufstellungsort, dem großen, freskengeschmückten Galeriesaal östlich des kürzlich wieder aufgebauten Schlosses. Dieser Saal diente für glanzvolle höfische Feste und beeindruckt noch heute durch seine prächtige Ausstattung im italienischen Stil, die in ganz Norddeutschland ihresgleichen sucht.

 

Zu Heynes Zeiten und noch lange danach wurden die Herrenhäuser Bronzebüsten für antike Originale gehalten, so Graepler. Erst im 20. Jahrhundert setzte sich die Einsicht durch, dass es sich um neuzeitliche Nachgüsse handelt. Über ihren Ursprung ist nichts Genaues bekannt, möglicherweise wurden sie schon um 1550 in einer oberitalienischen Werkstatt angefertigt.

 

Zur Person
Prof. Klaus Fittschen, von 1976 bis 1989 Leiter des Göttinger Archäologischen Instituts, hat die Herrenhäuser Bildnisgalerie eingehend untersucht und dazu 2006 eine umfangreiche Monographie publiziert. Am Sonntag, 6. September, spricht er um 11.30 Uhr in der Vortragsreihe „Kunstwerk des Monats“ im Alten Auditorium, Weender Landstraße 2, Hörsaal 11, über die Herrenhäuser Galerie . Anschließend stellt Dr. Daniel Graepler, Kustos der Sammlung der Gipsabgüsse, seine neuen Entdeckungen zur Entstehungsgeschichte der Göttinger Abguss-Sammlung vor. Anschließend kann der Römersaal der Sammlung der Gipsabgüsse im Archäologischen Institut, Nikolausberger Weg 15, besichtigt werden.
 
Gipssammlung im Parthenonsaal. Foto: EF

Gipssammlung im Parthenonsaal. Foto: EF

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Paulinerkirche. Foto: EF

Paulinerkirche. Foto: EF

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