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Göttingen Warum Bäume gut für den Acker sind
Campus Göttingen Warum Bäume gut für den Acker sind
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15:24 09.10.2018
Tagung Agroforstsysteme Uni Göttingen: Wissenschaftler Leonie Göbel, Gerald Busch, Lara Beer und Norbert Lamersdorf. Quelle: bib
Göttingen

Göttingen. Agroforst? Das hat nicht mit Aggressionen zu tun, sondern mit Landwirtschaft. Die Verknüpfung von Agar- und Forstwissenschaft stand im Mittelpunkt des Forums Agroforstsysteme an der Universität Göttingen.

Neun Prozent Agroforstflächen in Europa

Baumstreifen zwischen Wiesen und Äckern, Hühner, die unter Bäumen picken oder Schweine, im Wald weiden: Das alles zählt zu Agrarforstwirtschaft. Etwa neun Prozent der Agrarflächen Europas, so erklärte es Dr. Tobias Plieninger von der Universität Göttingen/Witzenhausen, werden heute mit so bewirtschaftet. In der Tabelle stehen Spanien, Griechenland und Frankreich an der Spitze, Deutschland liegt auf Platz zehn. Plieninger sprach über „Chancen von Agroforstwirtschaft für die ländliche Entwicklung”. Die bewusste Integration von Gehölzpflanzen in den Weide und Ackerbau hat seinen Ausführungen nach zahlreiche positive Auswirkungen auf die Umwelt - auf Boden, Biodiversität und Kohlenstoffspeicherung beispielsweise. Sie genieße bei den Anwendern ein positives Image, allerdings geben die Befragten seiner europaweiten Studie nach auch an, dass Mehrarbeit und ein höherer Verwaltungsaufwand Nachteile seien.

Bäume: Holzlieferanten und Schutz

Bäume und Sträucher, die in Agroforstsystemen zwischen Ackerpflanzen gesetzt werden, schützen den Experten zur Folge vor Wind und Bodenerosionen, spenden Schatten und können den Austrag von überschüssigen Nähr- und Schadstoffen verhindern. Gleichzeitig liefern sie Holz, das als Hackschnitzel für die Wärmeerzeugung oder als Wertholz für die Holzindustrie genutzt werden kann. Streuobstwiesen und Wallhecken sind ein klassisches Beispiel für diese Form der agroforstlichen Bewirtschaftung.

Göttinger Wissenschaftler organisieren

Aus anderen Ländern sind beispielsweise die Schweine, die in spanischen Wäldern Eicheln fressen oder Schafe, die in britischen Apfelplantagen grasen, bekannt. “In Deutschland ist Agroforst weniger verbreitet”, so Prof. Norbert Lamersdorf von der Uni Göttingen.

Plieninger sprach sich dafür aus, die Förderung der Agrarforstwirtschaft auf europäischer Ebene zusammen zu bringen. Auf regionaler Ebene aber sei sie besonders wichtig. Als Beispiel nannte der den mediterranen Raum, wo eine solche Bewirtschaftung auch dazu beitragen kann, die Waldbrandgefahr zu verringern. Tiere, Klima, Boden und die ökologische Vielfalt profitieren von der Agroforst.

Agroforst bei Reiffenhausen

Im Raum Göttingen, so Lamersdorf und sein Team, liegen die besonderen Vorteile vor allem darin, die Bodenerosion zu minimieren. “Schauen Sie nach einem Starkregen mal die Leine an”, sagt der Wissenschaftler. Der rötliche Boden sei dann kaum zu übersehen. In der Nähe von Reiffenhausen arbeiten die Wissenschaftler mit Landwirt Horst Herbort zusammen. Zwischen seinen Acker- und Weideflächen gedeihen auch so genannte Kurzumtriebsplantagen (Kup). Das sind Streifen mit kleinen Bäumen wie Pappeln, die den Boden schützen und später als Bioenergie-Lieferant genutzt werden. Der streifenweise Anbau von schnell wachsenden Pappeln oder Weiden auf Ackerflächen in ausgeräumten Agrarlandschaften stelle eine der modernen Variante dieser Landnutzungsform dar, so die Fachleute. Die Wechselwirkungen in Boden, Wasser und Luft analysieren und erforschen die Göttinger Agrarwissenschaftler. Sie arbeiten nicht nur europaweit, sondern auch interdisziplinär - mit Geografen und Forstwissenschaftlern zusammen.

Von Britta Bielefeld

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