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Mit dem Wasseranstieg leben lernen

Auftakt mit Prof. Karsten Reise Mit dem Wasseranstieg leben lernen

Wenn die Nordsee über die Küste schwappt, würde der Sylter Biologe Prof. Karsten Reise direkt ins 150 Meter höher gelegene Göttingen fliehen. Mit dieser Vision und dem Vortrag „Was tun, wenn die Nordsee steigt?“ eröffnete Reise am Montagabend die zwölfte Göttinger Akademiewoche im alten Rathaus.

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Karsten Reise.

Quelle: Wenzel

Göttingen. Es sei konsequent, dass die Akademie jemanden wie ihn eingeladen habe, sagte Reise: „Ozeane fangen an der Küste an“, deshalb bedürfe es für diese Thematik neben Tiefseeforschern auch „Experten für das Flache“, so der ehemalige Leiter der Wattenmeerstation vom Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung. Humorig und bewusst surreal, aber dennoch wissenschaftlich fundiert präsentierte Reise mögliche Szenarien über den Meeresspiegelanstieg.

Schwankungen in der Meereshöhe seien in der Erdgeschichte immer wieder zu beobachten gewesen. Nach der Eiszeit stieg der Meeresspiegel rasant um mehrere Meter an, vor 8000 Jahren stoppte dieser Anstieg. Bis 2100 sei eine Steigerung um einen Meter möglich, bis 2300 könnte das Wasser sogar neun Meter höher stehen. Der globale Meeresspiegel könne zwischen 20 und 25 Metern ansteigen.

Das Wattenmeer und seine Nutzung spiele in diesen Szenarios eine wesentliche Rolle.

Innerhalb der vergangenen 50 Jahre haben diese Küstenbereiche einen enormen Imagewechsel „vom öden Wattenmeer zur Touristenattraktion“ erfahren. Auch die Landwirtschaft sei an dem oft fruchtbaren Land hinter den Deichen interessiert. Allerdings, so Reises Prognose, verdrängten die großen, internationalen Konzerne zunehmend die Kleinbauern. 

Die Deiche verhinderten bisher Schlimmeres. Anstatt zu versuchen, das Wasser um jeden Preis von der Küste fernzuhalten, sollte man „mit dem Wasser leben. Wir brauchen eine Nordsee, die beim Ansteigen die Küste mit nach oben zieht“, sagte Reise.

Periodische Flutung der Marschböden hinter den Deichen könne eine Versumpfung herbeiführen und den Boden dort heben. Panorama-Restaurants auf den Deichen an der Küste, Aushöhlung und Nutzung der Deich-Innenräume für Garagen oder U-Bahnen in Hamburg, Hotels auf Schwimmpontons und Pfahlbauten auf Pellworm –  Reise traute sich, zu träumen. Vieles sei möglich, wenn man sich nicht darauf versteife, das Wasser zu Gunsten der Industrie draußen zu lassen.  

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