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So viel wie möglich erhalten

Aktionstag zur Erhaltung schriftlichen Kulturguts So viel wie möglich erhalten

Sie werden abgefegt, abgesaugt, gewässert, geklebt und neu gebunden: historische Bücher, in die Wasser eingedrungen ist oder an denen der Bücherwurm nagen. Bei einem Aktionstag führte die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen vor, wie sie Bestände bewahrt und restauriert.

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Restauratorin Magdalena Schumann zeigt die Behandlung von Buchseiten mit Fraßschäden.

Quelle: r

Göttingen. Gleich zuerst geht es für Besuchergruppe in die „Kammer des Schreckens“. 7000 Bände lagern hier. Jeder sorgsam verpackt in einer Hülle warten  sie auf ihre Restaurierung. Sie gehören zu den Bänden der SUB, die wegen eines Wasserschadens kurz nach dem Zweiten Weltkrieg  wiederhergestellt werden müssen. Diesem Wasserschaden verdanke die SUB eigentlich die Restaurierungswerkstatt. Andere Universitäten hätten dafür keine eigenen Abteilungen, erklärt Winfried Feuerstein von der Abteilung Spezialsammlungen und Bestandserhaltung.

Unter einem Abluftsauger werden die Bücher zunächst abgefegt. Dann geht es für einige Exemplare ins Wasserbad. Oft stehe davor eine schwierige Entscheidung, so Feuerstein. Für die Feuchtbehandlung muss die Bindung gelöst werden, jede Seite einzeln behandelt. Ist es das wert, ist es notwendig? Das Papier verziehe sich dabei immer ein wenig, beim neuen Binden bekäme man ein sauberes Bild oft nicht wieder hin.

Löcher in Seiten, die von den Maden kleiner Käfer, den sogenannten Bücherwürmern, angefressen sind, werden mit feinstem Japanpapier wieder geschlossen. Bei großen Papierschäden werden die Blätter einzeln in einem Becken mit Papierfasern behandelt. „Wie beim Papierschöpfen“, erklärt Feuerstein. So entstehen wieder komplette Seiten, die mit Absicht weiß bleiben.

An erster Stelle für die Restaurierung steht die Benutzbarkeit im Lesesaal oder die Wiederherstellung so weit, dass der Band digitalisiert werden könne. Vollrestaurierungen kommen nur für die besonders wertvollen Bände in Frage. Und auch dann sei die Entscheidung zwischen großen und minimalen Eingriffen nicht leicht, erklärt Dr. Johannes Mangei, Leiter der Abteilung Bestandserhaltung. Für ihn sei es wichtig, so viel wie möglich von dem alten Buch zu erhalten. „Schäden gehören zur Geschichte des Buches“, sagt er. Buchrestaurierung gebe es noch nicht lange, seit 1971 hier an der Göttinger Universität. Bis dahin habe man beispielsweise oft die alten Gewebeeinbände weggeschmissen und die Bücher neu eingebunden. Heute wird so gut wie alles repariert. Die Schäden werden dabei immer dokumentiert. Sie sollen erkennbar bleiben.

Brände, Überschwemmungen und Kriege, aber auch Papierzerfall durch Schimmel, Tinten- oder Säurefraß – die Bewahrung von Wissen in Bibliotheken und Archiven ist vielfach gefährdet. Was Bibliotheken und Archive tun können, um den Verfall wertvoller historischer Bücher und Handschriften, Karten und Graphiken aufzuhalten, darüber informiert seit 2005 der „Nationale Aktionstag für die Erhaltung schriftlichen Kulturguts“. Jährlich wird er an wechselnden Orten von der „Allianz Schriftliches Kulturgut erhalten“ veranstaltet, einer Interessengemeinschaft von Bibliotheken und Archiven mit umfangreichen historischen Beständen. In diesem Jahr richtet die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek (SUB) Göttingen in ihrem Historischen Gebäude aus.

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