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Albrecht Schöne wird 90 Jahre alt

Von Geschwätz bis Canzleysprache Albrecht Schöne wird 90 Jahre alt

Unter dem Titel „Der Briefschreiber Goethe“ hat der Göttinger Germanist Albrecht Schöne kürzlich sein jüngstes Buch veröffentlicht. Am Freitag, 17. Juli, wird der Literaturwissenschaftler, der von 1960 bis 1990 Professor für Deutsche Philologie an der Universität Göttingen war, 90 Jahre alt.

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90. Geburtstag am 17. Juli: Albrecht Schöne.

Quelle: Lochte

Göttingen. Der Geburtstag mag dafür sorgen, dass die Zahl der eintreffenden Briefe in diesen Tagen im Hause Schöne steigt.

Vielleicht für den Germanisten eine Gelegenheit, sich über den Wert und Unwert der Briefe, die sich im Lauf eines Lebens ansammeln, zu äußern wie einst Goethe. Als Literaturwissenschaftler beschäftigt sich Schöne seit Jahren mit dem Werk von Johann Wolfgang von Goethe ( 1749-1832 ). Zuletzt hat er sich Goethes Briefwerk vorgenommen: Neun Fallstudien, die beginnen mit einem der ersten Briefe des 14-jährigen Goethe bis zu einem Brief des 82-Jährigen wenige Tage vor seinem Tod.

Schönes Analyse bringt neue Einsichten über Goethe, seine Freundschaften und sich wandelnden Gepflogenheiten. Das Buch stellt aber auch eine Mitteilungskultur dar, die in Zeiten von elektronischen Mitteilungen allmählich zur Besonderheit wird. Schöne meint dazu: „Ein so unermeßlich reiches Quellenreservoir, wie es der mentalitäts- und alltagsgeschichtlichen Forschung mit den ungedruckt überkommenen privaten Briefwechseln der letzten drei oder vier Jahrhunderte verfügbar ist, wird für kommende Zeiten kaum mehr existieren.“

Und so hat er nicht nur den Blick auf den Briefschreiber Goethe gerichtet, sondern auch auf die europäische Briefkultur. Deren Postverhältnisse, die üblichen Anredeformen und das Entstehen von privater oder dienstlicher Korrespondenz. Diese reicht, damals wie heute, von plauderndem Briefgeschwätz bis zur Hof- und Canzleysprache.

Von 1960 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1990 lehrte Schöne als Professor der Deutschen Philologie an der Georg-August-Universität. Seine wissenschaftlichen Arbeitsschwerpunkte liegen in der europäischen Emblematik, der deutschen Literatur im Zeitalter des Barock, der Aufklärung und der Gegenwart. Er beschäftigte sich mit Lichtenberg und Goethe und arbeitet in den Grenzgebieten zur Sprachwissenschaft, Stilistik, zur Sozial- und Kunstgeschichte sowie zur Theologie und zu den Naturwissenschaften.

Der Germanist ist Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften und unter anderem Träger des Ordens Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste. Von 1980 bis 1985 war er der erste deutsche Präsident des Internationalen Germanistenverbandes und organisierte mit dem siebten Kongress dieser Gesellschaft im August 1985 in Göttingen den ersten internationalen Germanistenkongress in Deutschland.

Albrecht Schöne: „Der Briefschreiber Goethe“. Verlag C.H. Beck 2015, 537 Seiten mit 20 Abbildungen, 24,95 Euro.
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