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Algenzucht auf dem Göttinger Institutsdach

Campus-Ansichten Algenzucht auf dem Göttinger Institutsdach

Die Tageblatt-Sommerserie „Campus-Ansichten“ bietet Einblicke und Ausblicke, die die Universität und Forschungsinstitute in Göttingen von Seiten zeigen, die nur wenigen Menschen bekannt sind. Um die Gewächshäuser auf dem Dach des Göttinger Zentrums für Molekulare Biowissenschaften geht es in Folge 7.

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Im Gewächshaus auf dem Dach des Instituts: Prof. Ivo Feußner mit einer blühenden Tabakpflanze.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Bis tief in die Nacht brennen in der dunklen Jahreszeit am Justus-von-Liebig-Weg 11 die Quecksilberdampf-Lampen. Sie simulieren in den Gewächshausern auf dem Dach des Göttinger Zentrums für Molekulare Biowissenschaften den Sommer mit seinen 16-Stunden-Tagen. 35 Wissenschaftler experimentieren dort mit Ölpflanzen und Algen.

 
In den Gewächshäuser geht es um Kernfragen der Menschheit: etwa die Sicherung der Welternährung oder die Nutzung nachwachsender Rohstoffe. „Fische sind reich an Omega-3-Fettsäuren, weil sie Algen fressen“, erläutert Professor Ivo Feußner (50) von der Abteilung Biochemie der Pflanze des Albrecht-von-Haller-Instituts für Pflanzenwissenschaften. Menschen könnten, so seine Idee, angesichts überfischter Weltmeere anstelle der Fische Algen aus eigener Zucht essen.

 
Feußners Abteilung forscht über Algen, die besonders reich an solchen Fettsäuren sind. Sie ziehen die Algen in 15-Liter-Kunststoffschläuchen an. 20 solcher Schläuche hängen hintereinander. Gedüngt wird unter anderem mit Gärrückständen aus Biogasanlagen. Auf einem Hektar Fläche ließen sich so in einem Jahr 100 Tonnen Algen ernten. Gute Ackerflächen, die weltweit knapper werden, braucht der Algenzüchter nicht. Die Gewächshäuser lassen sich überall aufstellen. „In Norddeutschland laufen erste Pilotanlagen“, berichtet der Professor.

 
Feußners Abteilung forscht auch über Ölpflanzen. Im Gewächshaus blüht zurzeit Tabak. „Das Öl aus den Samen hat die gleiche Zusammensetzung wie Sonnenblumenöl“, verrät der Wissenschaftler. In einem anderen Raum läuft ein Experiment mit Leindotter. Diese Pflanze, die innerhalb von drei Monaten Ertrag bringt, gedeiht auch auf schlechten Böden. Sie ließe sich so als Zwischenfrucht anbauen. Ein anderer Versuch prüft, ob Leindotter in Südeuropa im Winter unter Olivenbäumen wächst. Die Bauern hätten so ein zusätzliches Einkommen und schützten den Boden gegen Erosion.

 
Jetzt im Sommer stehen nur wenige Pflanzen in den zusammen 300 Quadratmeter großen Gewächshäusern auf dem Dach des Zentrums. „Wenn es draußen zu heiß wird, lassen sich die Räume nicht mehr ausreichend herunterkühlen“, erklärt Feußner. Daher weichen die Wissenschaftler in den Keller aus. Dort gibt es eine Reihe von sogenannten Wachstumskammern. Das sind Container mit einer Grundfläche von vier Quadratmetern. Starke Lampen sorgen für Tageslicht. Feuchtigkeit und Temperatur lassen sich genau regeln. So können die Forscher für ihre Untersuchungen jedes Klima der Erde simulieren.

 
Das Hauptgebäude des Zentrums im Justus-von-Liebig-Weg vereint die teure Infrastruktur, neben den Gewächshäusern auch technische Geräte wie Mikroskope oder Messgeräte, für 30 Abteilungen der Molekularen Biowissenschaften unter einem Dach. Die Idee: Durch gemeinsame Nutzung lässt sich die Auslastung verbessern. Das senkt die Kosten.
 

Von Michael Caspar

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