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„Allergien sind alles andere als harmlos“

Experte fordert besseren Schutz vor allergieauslösenden Stoffen „Allergien sind alles andere als harmlos“

Der Göttinger Mediziner Prof. Thomas Fuchs setzt sich für eine optimale Behandlung von Patienten mit Allergien ein. Jetzt ist der Experte in den Ruhestand getreten und zieht eine kritische Bilanz.

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Der Göttinger Mediziner Thomas Fuchs hat mit seinen Forschungen über Kontaktallergien einiges bewirkt.

Quelle: pid

Göttingen. Nicht alle Krankheiten sind schicksalhaft. Viele Krankheiten Iließen sich allein dadurch verhindern, dass Menschen nicht mehr mit bestimmten Stoffen in Berührung kommen. Wer sich dafür stark macht, stößt allerdings häufig auf Widerstand bei Politikern und Lobbyverbänden. Diese Erfahrung hat der Fuchs immer wieder gemacht.

Sein ganzes Berufsleben hat sich der Leiter des Bereichs Allergologie an der Universitätsklinik Göttingen dafür engagiert, dass Patienten besser vor Allergien geschützt werden. Fuchs ist zudem seit vielen Jahren im Vorstand des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen, vier Jahre war er dessen Präsident. Er kritisiert: „Viele unserer Forschungsergebnisse kommen gar nicht bei den Patienten an.“

   Manche Göttinger Studien haben allerdings durchaus konkrete Folgen gehabt. Ein Projekt beschäftigte sich etwa mit den gesundheitlichen Risiken des Einsatzes von CS-Gas bei Demonstrationen. Die Allergologen stellten fest, dass das Reizgas sowohl bei Demonstranten als auch bei Polizisten zu teilweise erheblichen Gesundheitsschäden führte. Die Warnungen führten dazu, dass zum Beispiel Niedersachsens erste rot-grüne Landesregierung in ihrer Koalitionsvereinbarung festlegte, den Einsatz von CS-Gas zu verbieten.

   Am intensivsten hat Thomas Fuchs über die Naturlatex-Allergie geforscht. Viele seiner Patienten trugen bei der Arbeit Einmalhandschuhe aus Naturlatex. Die Forscher stellten fest, dass Eiweißstoffe des Naturkautschuks die allergischen Reaktionen auslösen. Die Erkenntnisse führten dazu, dass eine neue Gefahrstoffverordnung erlassen wurde. „Im klinischen Bereich dürfen nur noch Handschuhe mit einer bestimmten Proteinmenge benutzt werden, die keine Puderbestandteile mehr enthalten“, erläutert Fuchs.

   Bei anderen gut erforschten Kontaktallergien seien dagegen keine Verbesserungen zu verzeichnen, so der Allergologe. Die Nickelallergie sei immer noch weit verbreitet, andere Kontaktallergien hätten sogar deutlich zugenommen. Dies betreffe vor allem die als Konservierungsmittel eingesetzten Isothiazolinone.

Seit Jahrzehnten sei bekannt, dass diese Stoffe als Kontaktallergene wirken. Deshalb müssen sie inzwischen auf der Verpackung angegeben werden. Die Deklarationspflicht führte eine Zeitlang dazu, dass die Industrie diese Substanzen nur noch selten einsetzte. Inzwischen sei von dieser Zurückhaltung nichts mehr zu spüren: „Ob in Duschgels, Shampoos, Kosmetika, Klarspüler, Toilettenpapier, Reinigungsmittel oder Wandfarben – überall sind diese Stoffe wieder zu finden.“

   Fuchs plädiert dafür, diese Konservierungsstoffe zu verbieten oder nur unter Auflagen zuzulassen. Die Deklarationspflicht sei kein ausreichendes Mittel, um Menschen vor diesen allergieauslösenden Stoffen zu schützen. Die Leiden von Allergikern seien alles andere als harmlos, mahnt der Mediziner. „Leider unternehmen die politischen Institutionen und Behörden immer noch zu wenig, um Menschen vor solchen Leiden zu bewahren.“

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