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Alte Gewebeproben neu befragen

Forschungsgeschichte Alte Gewebeproben neu befragen

Auguste Deter ist die erste Patientin gewesen, an der Alois Alzheimer die später nach ihm benannte Krankheit beschrieb. Seit der Wiederentdeckung der Hirnpräparate beziehen sich Mediziner auf den Fall. Über ein solches Wiederverwerten alten Materials sprach Dr. Lara Keuck aus Berlin in Göttingen.

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 Erste Alzheimer-Patientin Auguste Deter.

Quelle: DPA

Göttingen. Forscher hätten offenbar das Bedürfnis, sich in eine Traditionslinie zu stellen, erklärte die Wissenschaftshistorikerin bei ihrem Vortrag in der Historischen Sternwarte. Der Verweis auf eine 100-jährige Forschungsgeschichte erhöhe die Reputation der eigenen Arbeit. Anfang der 90er-Jahre sei infrage gestellt worden, ob Deter wirklich unter Alzheimer gelitten habe. Mit der Wiederentdeckung und erneuten Untersuchung der histologischen Schnitte seien diese Zweifel zerstreut worden.

„Gründungsnarrative“, Legenden über die Anfänge der Krankheitserforschung, hätten sich herausgebildet, führte Keuck aus. Im Rückblick erscheine alles klar und eindeutig.

„Eigenartigen Erkrankung der Hirnrinde“

1901 habe Alzheimer die Patientin kennengelernt. 1906 sei sein Aufsatz über den Fall einer „eigenartigen Erkrankung der Hirnrinde“ erschienen, in dem er „auffällige Veränderungen“ im Gehirn der mittlerweile toten Frau beschrieben habe. „1910 nahm Alzheimers Chef Emil Kraepelin die Krankheit als Diagnose in sein Lehrbuch für Klinische Psychiatrie auf“, sagte die Wissenschaftshistorikerin. Dass die Diagnose anfangs nicht eindeutig oder dass andere an der Entdeckung mit beteiligt gewesen sein, gerate in den Gründungsnarrativen aus dem Blick.

Gensequenzanalyse

Keuck beschrieb auch, wie die 1998 wiederentdeckten Gewebeproben Ausgangspunkt für moderne medizinische Untersuchungen wurden. Wissenschaftler führten mit ihnen 2013 eine Gensequenzanalyse durch. Sie wollten wissen, ob Auguste unter einen Gendefekt litt, der zu Alzheimer führen kann.

Die Vortragsreihe "Recycling in den Wissenschaften" wird am Montag, 9. Mai, um 18.15 Uhr im Lichtenberg-Kolleg in der Historischen Sternwarte, Geismar Landstraße 11, fortgesetzt. Dann spricht Prof. Paul Unschuld von der Charité Berlin. Sein Thema: "Die Wiederverwertung antiker Rezepturen und der erste Nobelpreis für Medizin für China im Jahr 2015".

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