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Alter Botanischer Garten: So war es früher

Tageblatt-Serie „Campus-Ansichten“ Alter Botanischer Garten: So war es früher

Alte Gewölbekeller, die für den Publikumsverkehr gesperrt sind, gibt es im Alten Botanischen Garten der Universität Göttingen. Kustos Michael Schwerdtfeger hat dem Tageblatt für die Campus-Ansichten-Reihe (Folge 61) verschlossene Türen geöffnet.

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Einige 100 Bromelien-Arten zieht der Alte Botanische Garten in Göttingen: Kustos Michael Schwerdtfeger.

Quelle: Caspar

Göttingen. Über eine steile Treppe geht es hinab in den alten Heizraum. „Hier unten schaufelte einst im Winter ein Heizer Tag und Nacht Kohle in den Ofen“, sagt Schwerdtfeger. Der Ofen ist schon vor langer Zeit abgebaut worden. Wo einst der Brennstoff lagerte, stehen heute Regale mit Blumentöpfen. Das Uni-Heizwerk in Weende liefert nun Fernwärme zum Beheizen der Gewächshäuser.

„Die ältesten drei Gebäude, die heute als Orangerie, Regenwald- und Zykadeenhaus dienen, entstanden 1806“, weiß Schwerdtfeger. Zu dieser Zeit gehörte Göttingen zum Königreich Westphalen, das Jerome Bonaparte von Kassel aus regierte. Die Universiät hielt in den Gewächshäusern tropische Pflanzen, die Wissenschaftler von jahrelangen, oft gefährlichen Reisen mitgebracht hatten. Sie galt es, vor Minustemperaturen zu schützen.

„Das 19. Jahrhundert war das goldene Zeitalter der Botanik“, sagt der Kustos. Gelehrte wie Alexander von Humboldt oder Charles Darwin bereisten die Welt, entdeckten, bestimmten und sammelten nicht zuletzt Pflanzen. Über 12000 Arten verfügt der Alte Botanische Garten in Göttingen. „Er gehört damit zu den vielfältigsten Sammlungen unter den 70 botanischen Gärten Deutschlands“, betont der Kustos.

„In einem eigenen, für die Öffentlichkeit gesperrten Gewächshaus ziehen wir zum Beispiel einige 100 der 2500 bekannten Bromelien-Arten“, berichtet Schwerdtfeger. Gärtnermeister Jürgen Lautner hat die Kollektion tropischer Ananasgewächse von 1967 an in 41 Berufsjahren zusammengetragen hat.

Universität stellt Schätze zur Schau

Wie einst die Fürsten so stellt auch die Universität Göttingen viele ihrer Schätze zur Schau. „Die Hochschule ließ sich beim Bau der Gewächshäuser nicht lumpen“, sagt Schwerdtfeger. „Wunderschön“ seien die alten Gebäude, meint er, und zeigt die verspielten Kapitele der gusseisernen Säulen des 1857 erbauten Farnhauses.

Einst seien die Göttinger im Sonntagsanzug gekommen, um ihren Kindern Palmen zu zeigen. Heute, wo fast jeder Fernreisen unternehmen könne, hätten die Gewächshäuser viel von ihrer einstigen Anziehungskraft verloren.

„Ende der 1960er-Jahre schien der Alte Botanische Garten entbehrbar“, berichtet Schwerdtfeger. 1967 sei der Neue Botanische Garten in Weende eröffnet worden. Es habe Pläne gegeben, die alten Gewächshäuser abzureißen, um Platz für Parkplätze oder Neubauten zu schaffen. „Als ich 1993Kustos wurde, war das immer noch nicht vom Tisch“, erinnert er sich. Der Alte Botanische Garten habe damals einen „morbiden Charme“ verbreitet. Die baufälligen Gewächshäuser seien mühsam mit Folie und Draht zusammengehalten worden.

„Die Vernachlässigung hatte auch mit der Verschiebung der Schwerpunkte in der Biologie zu tun“, meint der Kustos. Viele Biologen ständen heute im Labor und arbeiteten mit Modellpflanzen. Das Internet gaukle den Menschen vor, dass sich selbst seltene Pflanzen ohne größere Probleme bestellen ließen. Die gesunkene Bedeutung der Botanik spiegele sich im Abbau der Gärtnerstellen von 15 auf sieben in 25 Jahren.

„Seit Ulrike Beisiegel Präsidentin der Universität ist, gilt der Alte Botanische Garten jedoch als wissenschaftliche Sammlung“, berichtet der Kustos. Der Wert des Gartens werde seither – anders als in den Jahren zuvor – nicht nur an der Zahl wissenschaftlicher Veröffentlichungen in Fachzeitschriften gemessen.

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