Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 14 ° wolkig

Navigation:
„Unser aller Verantwortung“

Alumni-Tag 2017 „Unser aller Verantwortung“

Zum Abschluss des Alumni-Tages der Georg-August-Universität sprach am Sonnabend Ines Pohl, Chefredakteurin der Deutschen Welle, über „Deutschlands neue Verantwortung“. Die Dissertationspreisverleihung und ein Experiment zum Lichtenberg-Jahr rundeten das Programm in die Aula am Wilhelmsplatz ab.

Voriger Artikel
Der Studienausweis
Nächster Artikel
Hungrig in der Uni

Ines Pohl spricht beim Alumni-Tag 2017 in der Aula der Georg-August-Universität.

Quelle: janvetter.com

Göttingen. Sie komme gerne zurück nach Göttingen und spüre eine große Verbundenheit zu ihrer Universität, betonte Pohl einleitend zu ihrer Rede. Und viele ihrer Zuhörer in der gut gefüllten Aula waren wohl aus genau demselben Grund an diesem Tag gekommen. Pohl studierte bis 1995 in Göttingen Germanistik und Skandinavistik, arbeitete zwischenzeitlich bei der „taz“ und übernahm vor einem Jahr die Chefredaktion der Deutschen Welle.

FC Bayern München und Angela Merkel

Ihr Beruf habe sie in viele Länder der Welt geführt, was ihr immer wieder einen Blick von außen auf Deutschland ermöglicht habe – bisher ergab sich ein positives Bild. Auf allen Kontinenten habe man zumindest den FC Bayern München oder Angela Merkel, meistens aber beides lobend hervorgehoben. Doch die jüngsten politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen würden dieses Land nach innen und außen verändern.

In einer Zeit, in der die AfD in 14 Landesparlamenten und zukünftig auch im Bundestag sitze, dürfe es kein schlichtes „Weiter so“ mehr geben. Um sich den Erfolg der Rechtspopulisten zu erklären, lohne der Vergleich mit der jüngsten Entwicklung in den USA. Hier arbeitete Pohl während der Zeit des letzten Präsidentschaftswahlkampfs als Korrespondentin in Washington.

„Wie konnte Donald Trump Nachfolger von Barack Obama werden?“, fragte die Journalistin in die Reihen der Alumni und lieferte gleich mehrere Erklärungsansätze. Allem voran sei es Trump gelungen, durch den Stil seines Wahlkampfs Menschen zu mobilisieren. Mit „krawalliger Dauererregung“ habe er sich Aufmerksamkeit verschafft und über den mangelnden Wahrheitsgehalt seiner Botschaften hinweggetäuscht.

Sehnsucht nach einfachen Lösungen

Der US-amerikanische Präsident bediene dabei die Sehnsucht vieler Menschen nach einer einfachen Lösung in einer immer komplexer werdenden Welt. Die Annahme, dass er damit nur bei bildungsferneren Schichten Erfolg gehabt habe, sei nachgewiesenermaßen falsch. Pohl konstatierte dabei auch ein Versagen der Eliten und schließlich ihres eigenen Berufsstandes, der sich habe instrumentalisieren lassen.

Welche Rückschlüsse bieten sich dadurch für Europa? Ist das gesamtpolitische Klima vergleichbar? Um darauf eine Antwort zu finden, sprang Pohl in das Jahr 1989. Sie habe die deutsche Wiedervereinigung in Göttingen erlebt, habe die Trabbis und Wartburgs in die Stadt fahren sehen und einem Eichsfelder Ehepaar zur Begrüßung in der kleinen WG-Küche in der Gartenstraße ein verstörendes Erlebnis beschert. „So hatten die sich den Westen sicher nicht vorgestellt.“

„Wir sind das Volk“

Damals waren Menschen friedlich durch die Straßen gezogen und hätten für ihre Freiheit demonstriert. „Wir sind das Volk“ habe allerdings 1989 noch ganz anders geklungen, sagte Pohl. Wenn der Slogan 2017 skandiert werde, gehe es nicht mehr um demokratische Selbstbestimmung, sondern um Ausgrenzung von Fremden. Heute bedeute der Satz: Wir sind das Volk. Und ihr seid es nicht. „Die Fluchtbewegungen haben Auswirkungen auf die ganze Welt. Auch auf unsere kleine heile Welt.“ Um so mehr gehe es jetzt darum, um ein Deutschland zu kämpfen, das Verantwortung übernimmt, um Menschen zu helfen, denen es schlecht geht. Ein Rückzug ins eigene Fortkommen dürfe nicht die Antwort sein.

Universitätspräsidentin Ulrike Beisiegel hatte bereits zu Beginn des Abends auf den Text auf der Gründungsurkunde der Georgia Augusta verwiesen. Dort heiße es: In Publica Commoda – zum Wohle aller. An ihre Gäste gerichtet betonte sie: „Daran hat sich bis heute nichts geändert. Es ist unser aller Verantwortung.“

Zwei Dissertationen ausgezeichnet

Der Dissertationspreis des Universitätsbundes, gefördert durch die AKB-Stiftung, wurde für 2016 gleich zweimal vergeben. Er geht an die Agrarwissenschaftlerin Bahar Razavi und den Geowissenschaftler Sebastian Oriolo. Der Vorstandsvorsitzende Arnulf Quadt übergab die Urkunden im Rahmen des Alumni-Tages. Die Fakultäten hatten insgesamt zehn mit „summa cum laude“ bewertete Dissertationen eingereicht.

Lichtenberg geht in die Luft

Mit einem luftigen Physikexperiment ist am Sonnabendabend auch an den Göttinger Universalgelehrten Georg Christoph Lichtenberg zu seinem 275 Geburtstag erinnert worden. Daniel Steil vom Physikalischen Institut hängte mehrere Büsten des Jubilars an verschieden große Heliumballons. Im Vorfeld durften sich alle Besucher an dem Gewinnspiel beteiligen, welcher Ballon Lichtenberg „posthum eine Luftreise“ bescheren würde. Wissenschaftliche Grundlage des Experiments war Lichtenberg Abhandlung „Vermischte Gedanken über die aerostatischen Maschinen“ von 1783.

Von Markus Scharf

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Göttingen

Spannende Ausbildungsplätze in Deiner Region warten auf Dich. Starte jetzt durch mit azubify ! mehr

Amnesty-Protest auf dem Campus