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Andreas Schmidt-Colinet über den Angriff auf die Wiege Europa

Islamischer Staat vernichtet unersetzbare Kulturschätze Andreas Schmidt-Colinet über den Angriff auf die Wiege Europa

Der Münchner Historiker und Archäologe Andreas Schmidt-Colinet sprach am Montagabend über die systematische Zerstörung antiker Kulturdenkmäler durch den sogenannten Islamischen Staat.

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Der Münchner Historiker und Archäologe Andreas Schmidt-Colinet sprach am Montagabend über die systematische Zerstörung antiker Kulturdenkmäler durch den sogenannten Islamischen Staat.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Mehr als 250 Zuhörer drängten sich im Hörsaal des Alten Auditoriums. In zahlreichen Vorher-Nachher-Bildern demonstrierte der emeritierte Professor die Vernichtung. Er zeigte Satellitenbilder und Fotos, mit denen Syrer unter Lebensgefahr die Verheerungen dokumentierten.

 

Der Islamische Staat bekennt sich zur islamischen Lehrart des Salafismus. Sakralbauten, so Schmidt-Colinet, seien für ihn „heidnische Götzentempel“. In der syrischen Oasenstadt Palmyra haben die Salafisten etwa den Tempel von Al-Lat, einer heidnischen, im Koran erwähnten Göttin, gesprengt. Was für aufgeklärte Menschen Akte kulturloser Barbarei sind, betrachten Salafisten als gottgefällige Werke. Der Islam-Prophet Mohammed hat nach der Eroberung Mekkas die heidnischen Götzenbilder in der Kaaba, dem von da an muslimischen Zentralheiligtum, zerschlagen.

 

Die Salafisten zerstören auch die punkvollen Grabanlagen islamischer Heiliger, da sie den Gräberkult für eine Abweichungen von der reinen Lehre halten. Für Schmidt-Colinet belegt das, dass die Salafisten keine Muslime sind. Diese wiederum betrachten, wie sich ihren Schriften entnehmen lässt, alle anderen Muslime als „irregeleitet“.

„Der Islamische Staat selbst, aber auch gewöhnliche Kriminelle nutzen die Gelegenheit zu Raubgräberei in großem Stil“, berichtete der Wissenschaftler. Sie schlagen von Grabmalen Skulpturen ab, brechen Reliefs heraus, durchwühlen auf der Suche nach Kunstgegenständen und Münzen den Boden bis in fünf Meter Tiefe. „Damit ist dort künftig jede wissenschaftliche Arbeit unmöglich“, erklärt der Historiker.

 

Skrupellose Auktionshäuser in New York, London und München versteigerten das Raubgut, an dem „Blut klebt“, so der Professor. Sprachlos macht ihn die Hilflosigkeit der Polizei. Sie darf nur einschreiten, wenn sich einwandfrei beweisen lässt, dass es sich um Raubgut handelt. „Das ist aber in der Regel unmöglich“, sagte Schmidt-Colinet. Die westlichen Kunsthänder behaupten, die Stücke stammten aus Familienbesitz und befänden sich seit mindestens zwei Jahrzehnten im Westen.

Syrien, das in der Antike die alten Hochkulturen Mesopotamiens und Ägyptens verband, sei nicht irgendein Landstrich, hob der Wissenschaftler hervor. In dieser Region begann die Menschheit erstmals mit Ackerbau, entstanden die ersten Städte. Europa trägt den Namen eine phönizischen Prinzessin. Die Phönizier, die einst an der syrischen Küste lebten, schenkten den Europäern das Alphabet. „Es ist, als ob der Islamische Staat uns Vater und Mutter tötet“, so der Historiker.

Von Michael Caspar

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