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Wahrsager und Super-Cops

Anthropologin untersucht die südafrikanische Polizei Wahrsager und Super-Cops

„Die tiefen Umbrüche in der Südafrika verunsichern die Menschen“, berichtete Jean Comaroff, Anthropologie-Professorin an der amerikanischen Harvard-Universität, in Göttingen. Symptome dieser Zeit: Die Polizei setze auf Wahrsager und Super-Cops, die Actionfilmen entsprungen sein könnten.

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Prof. Jean Comaroff spricht über die Verunsicherung der südafrikanischen Polizei.

Quelle: HW

Göttingen. „Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Mittel, denken die Menschen in Südafrika“, erläuterte die Professorin Teilnehmern der dritten Sommerschule für Kultur- und Sozialwissenschaftler, den das Lichtenberg-Kolleg in dieser Woche in der alten Sternwarte ausrichtet. Seit dem Untergang des weißen Polizeistaats, so Comaroff, verschwämmen in Südafrika die Grenzen zwischen gut und böse. Die von Korruption geplagte Polizei könne die Bevölkerung nicht mehr wirksam schützen.

„In der öffentlichen Wahrnehmung herrscht die Überzeugung vor, dass die Gewalt außer Kontrolle geraten sei“, führte die aus Südafrika gebürtige Wissenschaftlerin aus. Tatsächlich habe die Gewalt zugenommen, wenn auch nicht so extrem, wie viele Menschen glaubten. Noch immer würden mehr Südafrikaner an Aids, Herzkrankheiten oder bei Verkehrsunfällen sterben als durch Verbrechen. Hohe Arbeitslosigkeit und Armut verstärkten jedoch die Verunsicherung.

„Vor diesem Hintergrund verlieren selbst weiße Polizisten ihr Vertrauen darin, dass sie mit herkömmlichen, forensischen Techniken Licht in die unverständlich gewordene Gegenwart bringen können“, sagte die Anthropologin. So hätten Beamte – am Ende vergeblich – nach Klagen einer Familie über Heimsuchungen durch eine Hexe einen ihrer Okkultismus-Experten hinzugezogen. Die Familie habe später selbst einen Heiler gefunden.

Comaroff berichtete von der Aufstellung einer Polizei-Einheit zur Aufklärung okkulter Verbrechen im Jahr 1992. Der Anstoß sei aus den USA gekommen. Dort hätte die Bevölkerung seinerzeit an die Existenz geheimer Satanisten-Ringe geglaubt, die Kinder rituell missbrauchen würden. Da es in Südafrika kaum Morde gebe, die sich mit Satanismus in Verbindung bringen ließen, und Hexerei kein Straftatbestand sei, leiste die Einheit vor allem „Aufklärungsarbeit“.

Mit der Verunsicherung der Bevölkerung lässt sich nach Einschätzung der Wissenschaftlerin auch die Popularität der 2001 gebildeten und 2009 aufgelösten Skorpion-Einheit erklären. Die martialisch gekleideten Polizisten seien wie Hollywood-Helden aufgetreten. In spektakulären, aber umstrittenen Aktionen hätten sie den Mächtigen zugesetzt, unter anderem dem Polizeichef, Jackie Selebe, und dem stellvertretenden Präsidenten, Jacob Zuma. Letzterer habe gegen Proteste ihre Auflösung durchgesetzt.

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