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Göttingen Antike Stauen der Wallmoden-Sammlung im Schloss Herrenhausen
Campus Göttingen Antike Stauen der Wallmoden-Sammlung im Schloss Herrenhausen
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19:03 16.04.2014
Eine neue Nasenspitze: Restauratorin Jorun Ruppel komplettiert die Büste der Julia Domna aus der Sammlung Wallmoden. Quelle: Hinzmann
Göttingen

Sammler war Reichsgraf Johann Ludwig von Wallmoden-Gimborn (1736-1811), illegitimer Sohn Georgs II., der diese antiken Stücke samt Nachformungen aus dem 18. Jahrhundert – beraten von Johann Joachim von Winckelmann – zusammengetragen hatte. Wenn diese 50 Skulpturen in Hannover ausgestellt werden, treffen sie dort erstmals wieder mit dem zweiten Teil der Wallmoden-Sammlung zusammen, die einmal 550 Gemälde umfasste und von der jetzt etwa 50 Stücke gezeigt werden.

„Im 18. Jahrhundert machte die Sammlung einen großen Teil der Kultur Hannovers aus“, hob Prof. Johannes Bergemann, Leiter des Archäologischen Instituts der Universität Göttingen hervor. Er verwies darauf, dass schon um 1767 Wallmodens Sammlung – die auch Goethe in seinem „Werther“ erwähnt – in den Göttinger Vorlesungen des Altertumswissenschaftlers Christian Gottlob Heynes  berücksichtigt wurde.

„Antike und Kunstgeschichte gehörten im 18. Jahrhundert zusammen“: Damit beschreibt Katja Lembke, Direktorin des Landesmuseums Hannover, die Idee der Platzierung beider Teile der Sammlung gemeinsam im Herrenhäuser Schloss. „Es ist zum Teil noch rekonstruierbar, wie sie damals hingen.“ Der ursprüngliche Sammlungsort war nur wenige Hundert Meter entfernt: das 1780 erbaute Georgenpalais, in dem heute das Wilhelm-Busch-Museum untergebracht ist.

"Generationen von Klebstoffen"

Auf die Verdienste seines kunstsinnigen Vorfahren Georg IV. wies Heinrich Prinz von Hannover als Vertreter der Sammlungsbesitzer, der Familie der Welfen, hin. Damit seien die Welfen, auch wenn sie manches Stück wegen der hohen Kosten für Aufbewahrung und Pflege hätten veräußern müssen, heute immer noch „kulturpolitisch Weltklasse“.

Viele Stücke der Wallmoden-Sammlung sind für die Landesausstellung gereinigt, etliche auch eigens restauriert worden. So hat Restauratorin Jorun Ruppel das von gelblichen Klebstoffresten verunreinigte Knie einer Attis-Statue aus dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert gründlich gesäubert. „Die Statue hatte viele Brüche sowohl im antiken Bereich als auch an bereits im 18. Jahrhundert reparierten Stellen“, so Ruppel.

„An diesen Stücken sind zum Teil Generationen von Klebstoffen zu sehen“, ergänzt Bergemann. Außerdem hat Ruppel das Bildnis einer Kaiserin aus seve­rischer Zeit (zwischen 193 und 235 nach Christus) – die sogenannte Julia Domna – sorgfältig restauriert. Die lädierte Nasenspitze dieser Porträtbüste war vor längerer Zeit mit Gips grob geflickt worden.

Anhand älterer Fotografien konnte Ruppel die ursprüngliche Form der Nasenspitze und -löcher wiederherstellen. In wochenlanger Arbeit hat sie sie aus verschiedenen Materialien so farbecht gestaltet, dass kein Unterschied zur antiken Skulptur ins Auge fällt.
Die Ausstellung im Rahmen der fünfteiligen Landesausstellung „Hannovers Herrscher auf Englands Thron 1714-1837“ im Schloss Herrenhausen in Hannover wird am Sonnabend, 17. Mai, eröffnet und ist bis zum 5. Oktober zu sehen. Öffnungszeiten täglich von 11 bis 18 Uhr.

royals-aus-hannover.de

Von Michael Schäfer

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