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Arbeitslos und doch dabei

Studie: „Dazugehören. Handlungsstrategien von Arbeitslosen“ Arbeitslos und doch dabei

Hartz-IV-Empfänger sind passive Individuen, denen sozialer Anschluss fehlt, so eine verbreitete Ansicht. In der Studie „Dazugehören. Handlungsstrategien von Arbeitslosen“ zeigt Marliese Weißmann vom Soziologischen Forschungsinstitut, wie Arbeitslose darum kämpfen dazuzugehören.

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Quelle: dpa

Göttingen. Wie verschaffen sich Hartz-IV-Empfänger sozialen Halt? Mit welchen Deutungen und Strategien versuchen sie, an die Gesellschaft anzuschließen und Ausgrenzungen gegenzusteuern? Weißmann nimmt in ihrer Studie einen Perspektivwechsel vor: Sie fokussiert auf die Anstrengungen von Langzeitarbeitslosen trotz Ausschlusserfahrungen dazuzugehören.

Damit setzt sie einen wichtigen Kontrapunkt in den Debatten um Arbeitslosigkeit, in denen in der Regel der Ausschluss interessiert und Hartz-IV-Empfänger als passive Individuen erscheinen. Außerdem widmet sie sich einer Gruppe von Arbeitslosen, die angesichts der geringen Arbeitslosenquote oft in Vergessenheit gerät, obwohl sie mit einer Million Menschen eine große Gruppe darstellt.

Weißmann arbeitet auf Basis von Interviews typische Inklusionsstrategien von Arbeitslosen heraus. In den Blick kommen dabei sowohl subjektive Zugehörigkeitsdeutungen und die darin implizierten Selbst- und Gesellschaftsbilder als auch Praktiken der Herstellung von Zugehörigkeit. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Empfänger von Arbeitslosengeld II sich nicht rein passiv verhalten.

Vielmehr zeigt die Studie ein weites und kontrastreiches Spektrum an Inklusionsleistungen auf. Während manche zu beweisen versuchen, dass sie - etwa im Hinblick auf ihr äußeres Erscheinungsbild - sich nicht von anderen unterscheiden, betont eine andere Gruppe ihre Besonderheit beispielsweise durch politische Aktivitäten oder soziale Kontakte zu öffentlich bekannten Personen.

Zu beobachten sind vielmals moralische Positionierungen der Arbeitslosen, wie die Betonung ihrer sozialen Nützlichkeit als „guter Vater“ oder „guter Bürger“. Damit grenzen sie sich von vermeintlich leistungsunwilligen und passiven ALG-II-Empfängern ab.

Auffällig ist zudem, dass die Hartz-IV-Empfänger trotz der langanhaltenden Arbeitslosigkeit Anschlüsse an die Arbeitsgesellschaft wie in virtuellen Spielwelten suchen, wo sie ihre Aktivitäten als Arbeit deuten. Arbeit verliert somit auch am Rande der Gesellschaft nicht an Bedeutung.

­­Insgesamt verdeutlicht Weißmanns Studie, dass die Arbeitslosen zwar um Zugehörigkeit kämpfen, das zentrale Problem jedoch die gesellschaftliche Anerkennung ihrer Zugehörigkeitsdeutungen und -praktiken ist: Die Zugehörigkeit bleibt fragil.

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