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Archäologische Funde auf Sizilien

Göttinger Projekt „Agrigent Survey“ Archäologische Funde auf Sizilien

Liegen zwei Steine in einer Reihe, handelt es sich um eine optische Täuschung; sind es drei Stück, haben wir eine Mauer vor uns“, scherzt Prof. Johannes Bergemann, der das Archäologische Institut der Universität Göttingen leitet. Mit einfachen Methoden haben er und 15 weitere Wissenschaftler im Sommer 2010 das Hinterland der antiken sizilianischen Küstenstadt von Akragas (heute Agrigent) in Augenschein genommen.

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Reste grob behauener Mauersteine: Presshaus für Olivenöl aus der Zeit der Römer.

Quelle: pug

Bei der Begehung (Survey) hielten sie im Auftrag der italienischen Denkmalpflege nach schützenswerten Monumenten Ausschau. Die 300 Quadratkilometer große Fläche gilt als weißer Fleck auf der archäologischen Landkarte.

Das Gebiet steigt von 30 Metern über dem Meeresspiegel auf bis zu 1500 Meter im Norden an. Von der Küste wird dieses Gebiet durch einen Streifen unfruchtbares Land getrennt. Dort kommt Methangas aus dem Boden. Die Göttinger entdeckten 45 neue Siedlungsplätze. Zum Vergleich: 160 solcher Plätze waren bisher bekannt. Mit den Fels- und Höhlengräbern, die zum Teil aus der Eisenzeit stammen, hat sich Archäologe Philipp Baas beschäftigt. Gut sichtbare Gräber wurden im Laufe der Jahrtausende Opfer von Grabräubern. Einige Bestattungsplätze nutzten die Römer nach.

Während des 6. bis 4. Jahrhunderts vor Christus bestand eine griechische Kolonie an der Küste, während die Einheimischen im Hinterland lebten. Zwischen beiden Gruppen gab es offenbar Kontakte. Jedenfalls lässt sich griechische Gebrauchskeramik bis auf die Berge hinauf nachweisen.

Die Archäologin Rebecca Klug untersuchte die Scherben griechischer Transportamphoren, die im Untersuchungsgebiet an zwölf Plätzen gefunden wurden. Meistens handelt es sich um korinthische, seltener um attische oder westgriechische Amphoren. An der Küste lassen sich deutlich mehr Typen nachweisen. Dass einzelne Griechen im Hinterland unter den Einheimischen lebten, vermutet Bergemann, der die Forschungsergebnisse in der Archäologischen Ringvorlesung vorstellte.
Besonderes Interesse der Göttinger finden Reste eines spätantiken Gebäudes von 8,5 mal fünf Meter Größe. Das zweischalige, bis zu 60 Zentimeter starke Mauerwerk, besteht aus grob behauenem Sandstein, berichtet Christian Heitz. Als Mörtel diente Kalk. Im Inneren befinden sich zwei mächtige Steine, die wahrscheinlich zu einer Presse für die Herstellung von Olivenöl dienten. Neben der Landwirtschaft spielte seit der Bronzezeit in der Region auch der Schwefelabbau eine Rolle. Mit den Funden von Heimatforschern, darunter zahlreichen Scherben, hat sich Stefanie Peluso befasst. Zudem entdeckten die Archäologen auch 100 Münzen aus republikanischer, punischer und spätantiker Zeit.

Die Göttinger haben ihre Daten in ein Geoinformationssystem eingespeist, an dessen Entwicklung Matthias Lang maßgeblich beteiligt war. Es verknüpft die genauen, über GPS bestimmten Fundorte unter anderem mit Informationen zur Topographie des Geländes.

Von Michael Caspar

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