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Auf den Spuren des Flugpioniers

Göttinger Forscher testen legendären Flugapparat Auf den Spuren des Flugpioniers

Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Göttingen haben den Normalsegelapparat von Otto Lilientahl nachbauen lassen. Sie wollen mit ihrem spektakulären Projekt erstmals die Flugeigenschaften des Gleitgeräts untersuchen. Jetzt beginnen die Tests im Göttinger Windkanal.

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DLR-Mitarbeiter Christian Schnepf testet die Steuerfähigkeit des Gleiters.

Quelle: r

Göttingen. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als würde in der Halle des DLR ein riesiger Vogel von der Decke herunterhängen. Der Eindruck kommt nicht von ungefähr: Die 6,70 Meter breite, mit weißem Baumwolltuch bespannte Holzkonstruktion ist ein Nachbau eines Fluggeräts von Otto Lilienthal (1848-1896). Der berühmte „Normalsegelapparat“ war das erste Serienflugzeug der Welt.

„Bislang gibt es rund um Lilienthals Flugzeug immer noch viele offene Fragen“, sagt Andreas Dillmann, Leiter des DLR-Instituts für Aerodynamik und Strömungstechnik in Göttingen. Wie stabil war der Gleitflieger? Wie gut ließ es sich steuern? Und warum ist Otto Lilienthal am 9. August 1896 nach mehr als 2000 Flügen bei einem Testflug abgestürzt und tödlich verunglückt?

Um diese Fragen zu klären, haben die Forscher den Flugapparat vom Otto-Lilienthal-Museum in Anklam so detailgetreu wie möglich nachbauen lassen. Schon die Bespannung war eine Herausforderung. Das Team ließ eine Stoffprobe des Originalgleiters von Spezialisten untersuchen und dann ein ähnliches Baumwollgewebe von einer Weberei in Nordhessen anfertigen.

Der fertige Flieger wurde zunächst in einem Windkanal in den Niederlanden getestet und dann nach Göttingen gebracht. Hier begannen am Donnerstag die ersten Versuche, bei denen auch der „Faktor Mensch“ einbezogen war. Die Windkanal-Versuche seien sehr erfolgreich verlaufen, sagt Institutsleiter Dillmann. „Alle drei Achsen sind stabil, der Flieger hat keine aerodynamischen Defizite.“ Damit sei die Vermutung widerlegt, dass Instabilität die Ursache für den tödlichen Absturz gewesen sein könnte.

Woran lag es dann? Zur Klärung dieser Frage bedarf es einer gewissen Sportlichkeit und Kraftanstrengung. DLR-Wissenschaftler Christian Schnepf bringt die nötigen Eigenschaften mit: Er ist 1,83 Meter groß und 89 Kilo schwer und hat damit eine ähnliche Konstitution wie einst Otto Lilienthal. Schnepf freut sich, dass er in den Tests dessen Rolle übernehmen darf: „Wann hat man sonst schon mal die Chance, bei solch einem interessanten Projekt mitzuwirken?“ Er hängt sich in den Fluggleiter, stützt sich auf und schwingt ähnlich wie ein Barrenturner die Beine vor und zurück. Nur so konnte Lilienthal damals den Anstellwinkel verändern und sein Flugzeug steuern.

Die Göttinger Forscher wollen mit diesen Tests herausfinden, in welchem Bereich der Schwerpunkt des Fluggeräts lag und wie weit dieser variiert werden konnte. Anfang Juni wollen sie den Nachbau bei der Internationalen Luftfahrtschau in Berlin der Öffentlichkeit präsentieren.

Von Heidi Niemann

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