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Göttingen Ausgestopfter Wollmaki liefert Gewebeprobe
Campus Göttingen Ausgestopfter Wollmaki liefert Gewebeprobe
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12:37 06.01.2017
Quelle: Hartwig
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Göttingen

Der kleine, nachtaktive Halbaffe hält sich an einem Ast fest und schaut den Betrachter mit großen, braunen Augen an. 1903 ist der Wollmaki auf der Insel Madagaskar erlegt worden. Über einen Händler in London gelangte das präparierte Tier nach Göttingen. Wortmann zieht eine Schublade an seinem Arbeitstisch auf. Sie ist voller Messer, Pinzetten und Zangen.

Dort findet der Präparator, was er braucht, um dem Affen an der Hand eine Gewebeprobe zu entnehmen. „Forscher wollen die DNA des Tiers mit der heute lebender Wollmakis vergleichen, um Verwandtschaftsverhältnisse zu bestimmen“, berichtet er. Den Eingriff, den er vornimmt, dokumentiert er in einer Akte. Dann kommt der Halbaffe zurück ins Magazin. Nur einen Bruchteil der zoologischen Sammlung gibt es im Institutsmuseum zu sehen.

„Ich kämpfe gegen den natürlichen Verfall an, dem alles organische Materials unterliegt“, beschreibt Wortmann seine Aufgabe. Zu den Herausforderungen gehörten etwa die tierischen Fette, die noch im Fell und in den Knochen alter Präparate enthalten seien. „Sie wurden früher nicht entzogen, weil das Präparat sonst spröde geworden wäre“, erklärt er. Mit den Jahren bildeten die Fette nun Säuren, die das Objekt zerstören. Heute würden tierische Fette durch synthetische ersetzt. Schäden sehe man den Präparaten oft nicht an. Sie offenbarten sich erst beim Anfassen.

Zu Wortmanns Aufgaben gehört zudem die Versorgung der Nasspäparate, in Alkohol eingelegte Lebewesen wie Frösche, Würmer oder Schlangen. Die Verschlüsse werden im Laufe der Zeit undicht. Die konservierende Flüssigkeit verdunstet. Dann ist sie auszutauschen. Die Gläser sind neu zu verschließen.

Immer wieder kommen neue Objekte zur Sammlung dazu. Bürger bringen tote Tiere vorbei: Vögel, Reptilien, Amphibien. „Wir lagern sie in fünf Kühltruhen“, sagt Wortmann. Einen Teil dürfen Studierende für Anatomieübungen verwenden. Manchmal erhält das Institut größere Gaben. Ein Zoo stellte den Göttingern die Knochen eines Flusspferdes zur Verfügung. Wortmann gab sie in die Mazerationsanlage. In ihr zersetzen Enzyme anhaftendes Gewebe. Nach drei, vier Tagen waren die Knochen sauber. In Kartons verpackt wurden sie eingelagert.

Manchmal baut Wortmann die Knochen gemeinsam mit Wissenschaftlern, Museumspädagogen und anderen Fachleuten auf: 2001 etwa ein Pottwalskelett im Institutsmuseum oder 2012 eine Giraffe bei der Göttinger Austellung „Dinge des Wissens“.

Kenntnis des lebenden Tiers

„Ein Präparator benötigt fundierte anatomische Kenntnisse, muss aber auch die Verhaltensweisen des lebenden Tiers und seine Bewegungsabläufe kennen“, sagt Carsten Wortmann vom Zoologischen Institut. Nur so ließe sich das Präparat so gestalten, dass es lebensecht wirke. Unverzichtbar seien außerdem handwerkliche Fertigkeiten bei der Bearbeitung von Holz, Metall und Kunststoffen.

Wortmann erlernte seien Beruf in einer freien Werkstatt, die Jäger mit Trophäen ausstattete. Er arbeitete dann 20 Jahre beim Landesmuseum Hannover, wo noch zwei weitere Präparatoren tätig waren. Vor 16 Jahren wechselte er nach Göttingen, wo er der einzige Präparator ist.

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