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Ausstellung in der Kunstsammlung der Universität Göttingen

„Baukunst auf Papier zwischen Gotik und Klassizismus“ Ausstellung in der Kunstsammlung der Universität Göttingen

Für Netzwerke braucht man keine Computer. Schon um 1800 tauschten sich in Berlin Baumeister und Architekten aus. Zu diesem Kreis gehörten Friedrich Gilly, Karl Friedrich Schinkel und Friedrich Weinbrenner, denen eine Kabinettausstellung in der Kunstsammlung der Universität gewidmet ist.

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Göttingen. Baukunst auf Papier zwischen Gotik und Klassizismus“ heißt die Ausstellung, die von den Göttinger Kunsthistorikern Dr. Marion Hilliges und Dr. Christian Scholl konzipiert worden ist. Die Zeichnungen und Drucken zeigen Projekte, bei denen bestehende Bauten für neue Zwecke genutzt werden sollten.

Dabei geht es um zwei Aspekte, wie Scholl erläutert: zum einen um die architektonische Komponente, zum anderen um die hohe ästhetische Qualität der Zeichnungen und Drucke. Friedrich Gilly (1772-1800) gilt als Architekten-Wunderkind. Als 15-Jähriger – ein Jahr, bevor er sich in die Berliner Akademie der Bildenden Künste einschrieb – entwarf Gilly einen Theaterbau für Stettin: als Umbau eines Feuerwehr-Spritzen­hauses. Vater David Gilly, preußischer Oberbaudirektor, wusste, dass sein Sohn für diesen Auftrag reif genug war. Die großformatigen Blätter – die frühesten, die von Gilly überliefert sind – besitzen eine bestechende zeichnerische Eleganz. Sie werden nach einer umfassenden Restaurierung erstmals öffentlich gezeigt.

Beim zweiten Projekt handelt es sich um die Göttinger Paulinerkirche, für die der Karlsruher Architekt Friedrich Weinbrenner (1766-1826) im Auftrag des hannoverschen Königs 1802 Pläne für den Umbau in eine Bibliothek entwarf. Weinbrenner gehörte ebenfalls in das Umfeld des Berliner Jungarchitekten-Netzwerks. Auch diese lavierten Federzeichnungen – sie stammen aus der Staats- und Universitätsbibliothek – sind ein ästhetischer Genuss. Wesentliche Elemente des Weinbrenner-Entwurfs sind in den 1808 bis 1812 realisierten Umbau der Paulinerkirche eingegangen, nachdem zuvor Universitätsbaumeister Georg Heinrich Borheck geplant hatte, die Kirche abzureißen.

Von Karl Friedrich Schinkel (1781-1841), Schüler von Friedrich Gilly, stammt der aufregendste Entwurf dieser Ausstellung: der Plan eines griechischen Königpalastes in Athen auf der Akropolis, ein Baukomplex zwischen den antiken Ruinen von Propyläen, Parthe­nontempel und Erechtheion. Der Plan ist traumhaft, auch wenn seine Verwirklichung eine eine archäologische Katastrophe gewesen wäre. Stattdessen wurde ein kleinerer Palast am Athener Syntagma-Platz gebaut. In ihm tagt heute das griechische Parlament.

Ergänzt wird die Ausstellung durch Friedrich Gillys Zeichnungen der Marienburg in Westpreußen, in denen sich romantische Gotik-Sehnsucht künstlerisch manifestiert. Diese in hochästhetischen Aquatinta-Drucken von Friedrich Frick publizierten Blätter haben viel dazu beigetragen, dass die Marienburg schließlich nicht, wie zunächst geplant, abgebrochen wurde.

Die Ausstellung wird am Freitag, 13. November, um 18.30 Uhr im Auditorium an der Weender Landstraße 2 im Hörsaal 11 eröffnet. Sie ist bis zum 18. September 2016 sonntags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Ein Katalog erscheint 2016. – Am 14. und 15. November wird bundesweit ein „Wochenende der Graphik“ veranstaltet. Daran sind im südniedersächsischen Raum Museen in Goslar, Braunschweig, Salzgitter, Wolfenbüttel und Wolfsburg beteiligt. Im Goslarer Mönchehaus­museum werden aus diesem Anlass „Editionen Goslarer Kaiserringträger“ gezeigt.

von Michael Schäfer

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