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„Der See ist unser Horizont“

Ausstellung über Städtewandel in Chicago „Der See ist unser Horizont“

Die Künstler Susy Bielak und Fred Schmalz haben im Literarischen Zentrum ihr Projekt „Fourth Horizon“ vorgestellt. Unter dem Titel „Make No Little Plans“ gaben sie auf der Veranstaltung, die in Kooperation mit dem Seminar für Englische Philologie der Georg-August-Universität organisiert wurde, Einblicke in ihre Arbeit.

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Chicago vom Lake Michigan aus gesehen

Quelle: AP

Göttingen. Auf weißer Leinwand erscheint das Foto einer über einem Gewässer schwebenden Bühne, menschenleer und dem Wirken von Wind und Wetter ausgesetzt. Diese Foto brachte das Projekt des US-amerikanischen Künstlerduos Bielak und Schmalz, das sich offiziell „Balas & Wax“, ins Rollen. Gefunden in einem städtischen Archiv, diente es als Vorlage für die visuelle Umsetzung von „Fourth Horizon“. In ihrem Werk verbinden sie Film, Musik, Performance und Literatur miteinander, um die soziale und kulturelle Geschichte moderne Städte darzustellen.

Mittelpunkt ihrer Recherche ist Chicago, das Zentrum von Industrie und Handel im Nordosten der Vereinigten Staaten. Hier bestimmt der Lake Michigan maßgeblich die Atmosphäre der Stadt. Als Teil ihrer Projektes bieten die beiden Künstler geführte Touren an der Küste entlang, die sie für das Publikum mithilfe von Bildern lebendig werden lassen. „Ab hier war überall, wo wir uns bewegen, früher Wasser“, kommentiert Schmalz das Foto einer Straße, auf der man sich noch mehr als 150 Meter auf den See zubewegt. Für den Bau einer Küstenautobahn wurde am Ufer Land aufgeschüttet. „Städte befinden sich permanent im Wandel“, sagt Bielak.

Im Literarischen Zentrum zeigen sie Fotos und lesen Texte, die sie bei ihrer Arbeit inspiriert haben, darunter Beschreibungen von spontanen telepathischen Erfahrungen ganz normaler Menschen. Für die Videoinstallation für „Fourth Horizon“ haben sie mit Assoziation und Vorstellungskraft ihrer Zuschauer gearbeitet. Sie wurden aufgefordert, sich eine Zahl zwischen eins und 100 vorzustellen, oder einen imaginierten Schmerz in einem ihrer Arme zu beschreiben. Die Antworten überlagern im Video in einem mehrstimmigen Durcheinander die Hintergrundmusik.

Bielak und Schmalz geben einen tiefen Einblick in den künstlerischen Entstehungsprozess ihres Projektes. Sie wechseln sich beim Sprechen konsequent ab, als würden sie einem Drehbuch folgen, und wecken dadurch den Eindruck einer Performance. Ihr Vortrag wird zu einem sinnlichen Erlebnis von Natur und urbanem Raum. Wie das Wetter Einfluss nimmt auf den persönliche Empfinden, zeigen sie zu Beginn in einer Grafik, die Bielak als „besonders elegantes Stück wissenschaftlicher Arbeit“ bezeichnet. Sie beschreibt die Auswirkungen von Windstärken auf den menschlichen Körper. Die Skala reicht von „traumlosem Schlaf“ bis „Zerstörung“. „Wenn man aufmerksam ist, ist die Natur zu jeder Zeit spürbar“, sagt Bielak.

Zum Abschluss der Veranstaltung stellt Prof. Babette Tischleder aus der Abteilung für Nordamerikastudien des Englischen Seminars einige Fragen und lässt auch das begeisterte Publikum zu Wort kommen. Über die weitere Entwicklung ihrerArbeit können die Künstler nur vage Auskunft geben. „Der Zufall wird der wichtigste Akteur in diesem Projekt sein“, sagt Schmalz. „Es ist Magie“, fügt Bielak hinzu. Dieser Abend wird denjenigen, die ihn erleben durften, noch lange im Gedächtnis bleiben. jap

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