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Göttingen Auszeichnungen für Manfred Schüssler
Campus Göttingen Auszeichnungen für Manfred Schüssler
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07:26 02.09.2017
Manfred Schüssler (rechts) erhält von Dana Longcope (links) die Urkunde der Amerikanischen Astronomischen Gesellschaft. Quelle: r
Göttingen

Zwei internationale Vereinigungen von Sonnenphysikern würdigen in diesen Tagen die Beiträge von Manfred Schüssler vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) zur Sonnenphysik. Die Solar Physics Division, eine Unterabteilung der Amerikanischen Astronomischen Gesellschaft (AAS), hat den Göttinger Physiker mit dem George Ellery Hale Prize ausgezeichnet. Den Senior Prize für das Gesamtwerk eines Sonnenforschers erhält Schüssler Anfang September von der European Solar Physics Division, einer gemeinsamen Unterabteilung der Europäischen Physikalischen und der Europäischen Astronomischen Gesellschaft.

Schüssler gilt nach Angaben des MPS als einer der Pioniere der numerischen Magnetohydrodynamik unseres Sterns, die das Zusammenspiel von Sonnenplasma und Magnetfeldern beschreibt. Ordnung in dieses scheinbare Durcheinander zu bringen, ist der Forschungsschwerpunkt von Schüssler. Das Werkzeug des Professors sind theoretische Modelle, die das komplexe Wechselwirken der Plasmaströme und Magnetfelder der Sonne beschreiben. Während sich die meisten Sonnenbeobachtungen auf die obersten Schichten unseres zwiebelartig aufgebauten Sterns beschränken müssen, ermöglichen solche Modelle Einblicke in tiefere Bereiche – und können so verschiedenste Phänomene zu einem Gesamtbild verknüpfen. Im Mittelpunkt steht dabei die Konvektionszone, eine etwa 140 000 Kilometer dicke Schicht direkt unterhalb der Oberfläche der Sonne, die direkten Beobachtungen kaum zugänglich ist. Dies ist der Geburtsort der solaren Magnetfelder. In den Simulationen Schüsslers offenbart sich diese Region.

Die Arbeiten des Astrophysiker tragen dazu bei zu verstehen, wo diese bipolaren Regionen auf der Sonne erscheinen und wie sie sich weiter entwickeln, teilte das MPS mit. Danach helfen sie zu verstehen, warum sie bei anderen Sternen zum Teil an ganz anderen Orten anzutreffen sind.

Die Rechnungen ermöglichen zudem ein Verständnis der Aktivität unseres Sterns. Neben der Häufigkeit und Heftigkeit von Sonneneruptionen gilt die Anzahl der Sonnenflecken, welche die Oberfläche des Sterns überziehen, als Maß für seine Aktivität. Zeigt sich die Sonne von ihrer temperamentvolleren Seite, sind diese besonders zahlreich. Allerdings fällt die Stärke der Aktivitätsmaxima (und -minima) sehr unterschiedlich aus. Auch die Suche nach einer Erklärung für diese Eigentümlichkeit der Sonne beginnt zwangsläufig mit dem Entstehungsprozess der Flecken tief im Inneren des Sterns.

So konnte Schüssler mit MPS-Forscher Dr. Robert Cameron zeigen, dass chaotische Prozesse eine entscheidende Rolle spielen. Als Konsequenz lässt sich die Stärke eines Aktivitätsmaximums nicht über einen längeren Zeitraum hinweg vorhersagen.

Schüssler hat an der Georg-August-Universität Göttingen Physik studiert und promoviert. In den Folgejahren führte ihn sein wissenschaftlicher Weg ans Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik in Freiburg – und 1999 wieder zurück nach Göttingen, wo er eine außerplanmäßige Professur erhielt. Ebenfalls seit 1999 forscht er am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung. Zu seinen Auszeichnungen zählt unter anderem eine Gauß-Professur der Göttinger Akademie der Wissenschaften.

Von Angela Brünjes

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