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Autismus-Störungen verhindern Interaktion

Überlegung statt Spontaneität Autismus-Störungen verhindern Interaktion

Über die Ursachen von Autismus und die Schwierigkeiten, die die Störung verursacht, haben zwei Göttinger Wissenschaftler in der „Denk-Bar“ berichtet. Die Veranstaltungsreihe informiert regelmäßig im Kulturcafé Apex über neurowissenschaftliche Themen.

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Videovorführung und Vortrag in der Denk-Bar:  Anne Kästner informiert über Autismus.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Wie findet man Freunde? Die meisten Menschen haben darüber wahrscheinlich noch nie nachgedacht. Freunde finden, das passiert irgendwie automatisch. Herr S. dagegen hat ein genaues Konzept im Kopf, wie so etwas funktionieren könnte. Nur es anzuwenden wird schwierig. Herr S. ist Autist.

In einem Video erklärt er, wie Menschen seiner Meinung nach zueinander finden. Die Denk-Bar unter dem Titel „Den Blickwinkel ändern – Klinische und zellbiologische Annäherungsversuche an die Welt des Autismus“ im voll besetzten Saal beginnt mit dem Video. Organisiert wird der Abend vom Exzellenzcluster und DFG-Forschungszentrums für Mikroskopie im Nanometerbereich und Molekularphysiologie des Gehirns (CNMPB). Als Experten sprechen Dr. Anne Kästner, Psychologin am Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin, und der Zellforscher Prof. Thomas Dresbach vom Institut für Anatomie und Embryologie der Universitätsmedizin.

Kästner erklärt, wie sich eine autistische Störung äußert. Eingeschränkte Interessen oder Lärmempfindlichkeit seien nur zwei Merkmale. Dazu kommen Schwierigkeiten mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Aber Kästner betont, dass Autismus sich sehr individuell äußere, kein einheitliches Symptombild vorherrsche und es unterschiedlich starke Ausprägungen gebe. Für Menschen ohne autistische Störung sei es in der Regel einfach, mit anderen in Interaktion zu treten. „Über Gestik und Mimik muss ich gar nicht nachdenken. Das macht mein Gehirn automatisch“, sagt Kästner. Doch die Psychologin weist darauf hin, wie enorm komplex allein dieser Vorgang ist. Im Gehirn sei die Kommunikation zwischen weit entfernten Hirnarealen nötig.

Genau hier setzt die Forschung von Dresbach an. Er erzählt, wie er mit seinen Kollegen einer Proteinfamilie auf der Spur ist, die nachweisbar in den Verbindungsstellen der Nervenzellen im Gehirn wirkt, diese stabiler macht und dafür sorgt, dass mehr von ihnen ausgebildet werden. Französische Wissenschaftler hätten zudem nachgewiesen, dass bei Menschen mit autistischer Veranlagung eben jene Proteine im Gehirn mutiert seien. „Diese Spur müssen wir weiterverfolgen“, sagt Dresbach, dessen Forschung auf die Entdeckung einer zellbiologischen Ursache für Autismus abzielt. Werde dieses System erst einmal verstanden, sei als nächster Schritt eine Therapieform denkbar, die direkt im Gehirn wirke. Dresbach: „Wirkstoffe haben wir noch nicht. Aber wir haben eine Idee, wie diese aussehen müssten.“

Von Daniela Lottmann

Erkrankung oft im Kindesalter – Diagnose bei Erwachsenen schwierig

Rund 67 Millionen Menschen leben mit Autismus. Normalerweise wird die Diagnose im Kleinkindalter gestellt. In einigen wenigen Fällen bleiben Betroffene jedoch bis ins Erwachsenenalter ‚unentdeckt, da sie ihre Schwierigkeiten gut kompensieren können oder in ein beschützendes soziales Netzwerk eingebettet sind.

Die Diagnostik bei Erwachsenen ist sehr schwierig, da sich hinter dem Begriff ‚Autismus’ eine Vielzahl von Symptomen verbergen, deren Abgrenzung zu anderen psychiatrischen Erkrankungen problematisch ist, wenn keine Informationen aus der Kindheit verfügbar sind. Die Erblichkeit von Autismus ist sehr hoch. Jedoch sind nur in etwa fünf Prozent der Fälle Auffälligkeiten in einem Gen (‚Mutationen’) für die Erkrankung verantwortlich.

mpiem

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