Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Axel Hartmann spricht beim Alumni-Tag der Uni Göttingen

Mauerfall und Bundeskanzleramt Axel Hartmann spricht beim Alumni-Tag der Uni Göttingen

Beim Alumni-Tag der Universität Göttingen hielt der Jurist Axel Hartmann den Festvortrag. Hartmann war 1989 stellvertretender Büroleiter des Chefs des Bundeskanzleramts, Rudolf Seiters. „Heute passiert nichts mehr, gehen Sie ruhig.“ So schickte Seiters Hartmann am 9. November 1989 nach Hause. Am Abend fiel die Mauer.

Voriger Artikel
Koffer-Labor zur schnellen Ebola-Diagnose
Nächster Artikel
3,7 Millionen Euro für Graduiertenkolleg der Universität Göttingen

Gut besucht: die Paulinerkirche zum Alumni-Tag. Kleines Bild: Festredner Axel Hartmann.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. „So ahnungslos waren wir“, erklärte Hartmann (68). 230 Menschen hörten dem promovierten Juristen in der Paulinerkirche zu.

 

Hartmann war 1967 zum Studium nach Göttingen gekommen. „Ein Jahr später brach in der Stadt die Revolution aus“, erzählte er. Nach seiner Promotion in Würzburg war er in den diplomatischen Dienst eingetreten. Auf seinem ersten Auslandsposten von 1982 an in Budapest hatte er als Leiter der Konsularabteilung 1000 dort Hilfe suchenden DDR-Bürgern zur Ausreise in die Bundesrepublik verholfen. Westdeutschland kaufte sie frei. Hartmann geriet ins Visier der Stasi.
Versuche der DDR, Ungarn zur Ausweisung des Juristen zu bewegen, scheiterten. Der Grund: Über Hartmann liefen auch die Kontakte des sozialistischen Regimes zu Banken der Bundesrepublik. Ungarn, so der Beamte, habe vor der Pleite gestanden und finanzielle Hilfe gesucht. Der Flüchtlingsstrom sei dann abgerissen, weil die Warschauer-Pakt-Staaten keine DDR-Bürger mehr ausreisen ließen.

 
Das änderte sich ein paar Jahre später am 2. Mai 1989. An jenem Tag baute die erste Wenderegierung in Ungarn die Grenzbefestigungen Richtung Österreich ab. Als der entsprechende Bericht im Fernsehen lief, trug Hartmann gerade Seiters aus Akten vor. „Um Gottes willen, Herr Minister, das gibt Arbeit“, entfuhr es dem Juristen.

 
DDR-Bürger wurden nun beim Versuch der Ausreise von ungarischen Grenzern nicht mehr wie früher verhaftet, sondern nur zurückgeschickt. Es kam zu ersten Fluchten. Als die Sowjetunion unter Michail Gorbatschow nicht einschritt, ließ Ungarn von Dezember 1989 an DDR-Bürger ausreisen. „Dafür hat die Regierung kein Geld bekommen“, stellte Hartmann klar.

 
Die DDR reagierte, in dem sie ihren Bewohnern keine Visa mehr für das Nachbarland ausstellte. Die DDR-Bürger suchten nun in der westdeutschen Botschaft in Prag Zuflucht. Die Regierung unter Helmut Kohl wagte zunächst mit Rücksicht auf Frankreich, Großbritannien und Italien nicht, für eine Wiedervereinigung einzutreten. Die USA und die Sowjetunion dagegen zeigten sich offen. Letztlich erzwangen die DDR-Bürger mit ihrer Massenabwanderung und ihren Demonstrationen die Einheit, meint Hartmann.
 

Von Michael Caspar

 

Ausgezeichnete Dissertationen
Der Universitätsbund Göttingen zeichnete, gefördert durch die AKB-Stiftung, während des Alumni-Tags zwei Dissertationen aus. Nadja Klein hat sich in ihrer Doktorarbeit mit der Bildung von Mittelwerten nach Thomas Bayes befasst. In der Arbeit von Ronald P. Weber geht es um die DDR-Dramatiker Peter Hacks und Heiner Müller.
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Uni Göttingen begrüßt zum #unistartgoe Studienanfänger