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Balinesisches Gongspiel

Tageblatt-Serie „Campus-Ansichten“ Balinesisches Gongspiel

Das Instrumentarium für ein balinesisches Gamelan-Orchester, dessen Gongs, Trommeln und Zimbeln von 15 bis 20 Personen gespielt werden, lagert seit 2015 im Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Göttingen. Das Tageblatt stellt das Orchester in der Reihe Campus Ansichten vor.

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Im Musikwissenschaftlichen Seminar: Am Sonntag bietet Katharina Common einen Gamelan-Workshop an.

Quelle: Caspar

Göttingen. „Auf Bali, einer indonesischen Insel von der Größe Bayerns, ist den ganzen Tag über von irgendwoher Gamelan-Musik zu hören“, erzählt Katharina Common (34), die dem Institut das Orchester als Leihgabe zur Verfügung gestellt hat. Jedes Dorf, jedes Viertel habe mindestens ein eigenes Orchester, berichtet sie. Ständig übten Musiker.

Die Musikwissenschaftlerin lernte die Gamelan-Musik in den Jahren 2007 und 2008 kennen, als sie als Stipendiatin der indonesischen Regierung an der Kunsthochschule der Inselhauptstadt Denpasar studierte. Fasziniert lauschte sie, wie sich die Schallwellen der schweren Bronzegongs überlagern und ungewöhnliche Zwischentöne erzeugen. Die Studentin begann, das Spielen zu erlernen. Sie machte sich mit den – für Europäer ungewohnten - Rhythmen vertraut.

Commons Begeisterung war so groß, dass sie sich für den Wert eines Kleinwagens ein eigenes Orchester anfertigen ließ: ein Gamelan Belangjur. „Das Wort Belangjur bdeutet laufende Krieger“, erläutert die Musikwissenschaftlerin.

Mit dem wilden Klang des schweren Metalls hätten sich einst balinesische Soldaten aufgeputscht. Die Orchester seien wie eine Marching Band mit den Kämpfern in die Schlacht gezogen. Jeweils zwei Männer hätten die zum Teil 30 Kilogramm schweren Gongs an einer Stange getragen. Der Hintere habe gleichzeitig den Gong geschlagen. Heute spielten Gamelan Belanjur bei Totenverbrennungen oder religiösen Prozessionen.

„Mein Orchester besteht aus 22 Teilen“, führt die Musikwissenschaftlerin aus. Die Gongs hängen an kunstvoll gestalteten Metallgestellen. „Das schöne Aussehen ist den Balinesen wichtig“, betont Common. In der Mitte haben die Gongs einen Buckel, auf den beim Spielen geschlagen wird.

„Mit abgedämpften Gongs wird der Takt vorgegeben“, erklärt die Göttingerin. Die großen Gongs spielen die Grundmelodie, die dem Grundbass eines westlichen Orchesters ähnelt. Die kleineren Gongs schmücken die Melodie aus. Im Wechselspiel dazu erklingen hellere Zimbeln, Metallbecken mit roten Püscheln, die gegeneinander geschlagen werden. Zu Commons Orchester gehören außerdem zwei zweiseitig bespannte Trommeln. In anderen Orchestern gibt es zudem Flöten.

„Gamelan-Orchester spielen draußen“, betont die Göttingerin. Zurück in Deutschland schlug sie die Gongs in ihrer Etagenwohnung an. Das Lärm war so groß, dass sie sofort wieder aufhörte. Das Musikwissenschaftliche Institut bot Common an, das rund 200 Kilogramm schwere Orchester in einem Nebenraum einzulagern. Seit Oktober vergangenen Jahrs bietet sie im Auftrag von Klaus-Peter Brenner, dem Kustos der Instrumentensammlung, während des Semesters jeweils am dritten Sonntag im Monat um 13 Uhr und um 14.30 Uhr einen anderthalbstündigen Workshop an, das nächste Mal am Sonntag, 18. Juni. Das Orchester steht dann auf einer Empore im großzügig gestalteten Treppenhaus des Instituts, dem Accouchierhaus, Kurze Geismarstraße 1.  

„Um das Orchester spielen zu können, müssen mindestens fünf Personen kommen“, sagt Common. An guten Tagen machten 15 bis 20 Personen mit. Anmeldungen zu den kostenlosen Workshops unter E-Mail: c.cummaunt@googlemail.com

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