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Berliner Jurist Dieter Grimm erhält Lichtenberg-Medaille

Medaille für „öffentlichen Intellektuellen“ Berliner Jurist Dieter Grimm erhält Lichtenberg-Medaille

Die Akademie der Wissenschaften zu Göttingen hat die Lichtenberg-Medaille dem Juristen Dieter Grimm auf verliehen. Bei der Sommersitzung in der Aulas der Universität erhielt er am Freitag die höchste Auszeichnung der Akademie.

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Professor Stefan Tangermann, Präsident der Akademie, übergibt Dieter Grimm die Lichtenberg-Medaille.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. In seiner Laudatio betonte Prof. Andreas Busch, Politikwissenschaftler und Akademiemitglied seit 2014, die „großartige Leidenschaft und Bereitschaft“ Grimms, „nicht nur mit Fachpersonal über seine Erkenntnisse zu diskutieren, sondern diese auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen“.

Für ihn sei Grimm einer von wenigen „öffentlichen Intellektuellen“ in Deutschland. Seit drei Jahrzehnten melde sich dieser in Debatten zu den Themen Verfassungsrecht, Verständnis der Grundrechte und Europäische Integration zu Wort und sei damit ein würdiger Preisträger.

Wie üblich, hielt der Preisträger keine Dankesrede, sondern bedankte sich mit einem Vortrag in seiner Disziplin. In Grimms Vortrag „Die demokratischen Kosten der Konstitutionalisierung. Der Fall Europa“ ging es um die mangelnde Akzeptanz der Europäischen Union (EU), die das Integrationsprojekt Europa gefährde.

„Je mehr Verfassung, desto weniger Demokratie“

Eine Ursache dafür, die nach Ansicht Grimms meist übersehen werde, ist die Über-Konstitutionalisierung der EU. Sie sei ausschlaggebend dafür, dass die europäische Integration weithin in einem unpolitischen Modus und damit unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor sich gehe.

„Je mehr Verfassung, desto weniger Demokratie“, sagt Grimm. Das europäische Parlament müsse aufgewertet werden. Zudem müsse eine europäische Lösung für die Europa-Wahl entwickelt werden.

Die Fraktionen im europäischen Parlament setzen sich aus gleichgesinnten nationalen Parteien zusammen. Zur Wahl stehen aber nur die nationalen Parteien des jeweiligen Landes. Jeder Europäer müsse die Möglichkeit haben, die Fraktionen direkt zu wählen, lautete einer der Vorschläge des Juristen.

Die Lichtenberg-Medaille ist die höchste Auszeichnung der Akademie. Seit 2004 werden Forscher geehrt, die sich um ihre Disziplin und die öffentliche Wirkung ihrer wissenschaftlichen Erkenntnisse besonders verdient gemacht haben. Die Medaille erinnert an den Göttinger Gelehrten Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799).

Der erste deutsche Professor für Experimentalphysik sei mit seinem Namen und Wirken eng mit der Akademie verbunden, sagt Prof. Stefan Tangermann, Präsident der Akademie.

Von Sebastian Wels

Preisträger Dieter Grimm

Dieter Grimm, 1937 in Kassel geboren, lehrte als Professor für Verfassungsrecht und Verfassungsgeschichte an den Universitäten Frankfurt, Trier und Bielefeld bis er 1987 zum Richter am Bundesverfassungsgericht ernannt wurde. Nach seinem Ausscheiden aus dem Gericht 1999 wurde er an die Humboldt-Universität zu Berlin berufen.

Nur ein Jahr später übernahm er das Amt des Rektors des dortigen Wissenschaftskollegs und leitete es bis 2007. Grimm hat zahlreiche Gastprofessuren wahrgenommen, unter anderem an der Yale und der New York University Law School, an der Harvard Law School und der Universität „La Sapienza“ in Rom.

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