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Bernie Sanders und sein (Fast-)Erfolgsgeheimnis

US-Wahlkampf Bernie Sanders und sein (Fast-)Erfolgsgeheimnis

Wieso war Demokrat Bernie Sanders erfolgreich, warum ist er doch gescheitert und warum ist er für die US-Politik trotzdem wichtig? Diese Fragen hat der Wahlkampfstratege von Sanders, Chris Cooper, in seinem Vortrag in Göttingen zum Thema „The Populist Moment: How Political Outsiders Dominated the Election Campaign 2016“ beantwortet.

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Chris Cooper zum Wahlkampf in den USA.

Quelle: Wenzel

Göttingen. Vor etwa 200 Besuchern sprach Cooper über Populismus, Veränderungen in der Politik und den Erfolg der Außenseiter-Kandidaten wie Sanders. Sein Vortrag bildete den Abschluss der Reihe „The Battle for the White House“ des Instituts für Demokratieforschung an der Universität Göttingen.

„Es gibt viel Populismus auf der Welt“, sagt Cooper, der 2014 die Firma Convergence Targeted Communications gegründet hat, die für progressive, reformorientierte Kampagnen bekannt ist. Amerika werde vielfältiger, es gebe mehr Hispanics, Schwarze und Asiaten. Seit 2015 sei „Gay marriage“ erlaubt – „das konnte man sich 2012 noch nicht vorstellen“, so Cooper. Außerdem gebe es einen Anstieg von Millennials, jungen Menschen, die progressiv seien und sich dafür einsetzen, die Welt zu verbessern.

Auch die Republikaner haben sich entwickelt, so Cooper. „Weißer und älter“ seien sie geworden. „Amerika ist ihnen entglitten“, meint er. Das sei der Grund, warum sie das Land „great again“ („wieder großartig“) machen wollen, wie der republikanische Kandidat Donald Trump es propagiert.

„Aber nun lasst uns über Bernie Sanders sprechen“, kommt Cooper zu dem Teil seines Vortrages, auf den viele Besucher besonders gespannt sind – schließlich hat Cooper den Kandidaten bei seinem Wahlkampf begleitet. Rhetorisch überzeugend handelt Cooper drei zentrale Fragen ab: Warum konnte Sanders so erfolgreich sein? „Das Parteiensystem ist schwach“, sagt Cooper über die US-Politik – das sehe man schon daran, dass Sanders, der gerade mal seit vergangenem Jahr Demokrat sei, so erfolgreich sein konnte. Sanders habe außerdem junge Leute überzeugt.

Er sei aber nicht über diese junge größtenteils weiße, progressive Wählerbasis hinausgekommen – womit Cooper auf seine zweite Frage eingeht: Warum ist Sanders trotzdem gescheitert? Eine weitere Antwort darauf: „Hillary Clinton ist seit 25 Jahren an der Frontlinie der Demokraten“, so Cooper über Sanders Konkurrentin, sie habe mehr Erfahrung.

Warum ist Sanders trotzdem wichtig? „Die Millenials werden progressiver“, sagt er, dazu passe ein Kandidat wie Sanders. Außerdem habe Sanders gezeigt, dass Wahlkampf anders gehe. „Sanders hat nicht die Reichen um Geld gebeten, er hat auch von normalen Menschen fünf Dollar genommen“, so Cooper, und habe damit genauso viel eingenommen wie Clinton. „Er hat auf kleine Dollarbeiträge gesetzt, die mit dem alten ‚Viele-Dollar-Fundraising‘ mithalten oder es sogar übertreffen können“, so der Wahlkampfexperte. Nun, wo sein Kandidat aus dem Rennen ist, setzt Cooper auf Clinton: „Hillary ist zwar nicht so gut im Bewerben um den Job, aber wenn sie den Job hat, wird sie ihn gut machen“.

Von Hannah Scheiwe

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