Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Gedanken per Computer lesen
Campus Göttingen Gedanken per Computer lesen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:47 07.09.2017
Das Gehirn produziert Gedanken, – die für Computer lesbar werden sollen Quelle: picture alliance / dpa
Göttingen

Ausrichter ist das Bernstein Zentrum Göttingen, eines von sechs Forschungszentren in Deutschland, die sich mit computerbasierten Neurowissenschaften beschäftigen. Rund 400 internationale Wissenschaftler werden nach Göttingen kommen. „Es ist die größte Konferenz zu diesem relativ jungen Forschungsgebiet in Europa“, sagt der Hauptorganisator und Leiter des Göttinger Bernstein Zentrums, Prof. Fred Wolf.

Die Wissenschaftler nutzen mathematische Modelle und Computersimulationen, um die Funktionsweise des Gehirns zu untersuchen, zu verstehen und dadurch zu entschlüsseln. Auch wenn diese Forschungen vornehmlich theoretisch angelegt sind, lassen sich damit in Zukunft voraussichtlich wichtige medizinische Fortschritte erzielen. Computerbasierte Neurowissenschaften spielen nicht nur bei der Entwicklung intelligenter Prothesen oder künstlicher Intelligenz eine zentrale Rolle. Auch die Diagnostik von neurologischen Erkrankungen lasse sich damit verbessern, sagt Wolf.

„Locked-in-Syndrom“

Ein Forschungsgebiet, das in jüngster Zeit besonders viel Aufmerksamkeit erregt hat, sind Gehirn-Computer Schnittstellen. Solche „Brain-Computer Interfaces“ sollen es ermöglichen, Informationen zwischen dem Gehirn und Maschinen auszutauschen. Einer der Pioniere auf diesem Gebiet, der Tübinger Wissenschaftler Professor Niels Birbaumer, wird in einem öffentlichen Vortrag seine jüngsten Fortschritte bei der Überwindung des so genannten „Locked-in-Syndroms“ erläutern. Menschen mit Locked-in-Syndrom sind zwar bei Bewusstsein, aber fast vollständig gelähmt und können sich weder sprachlich noch durch Bewegungen verständlich machen. Sie können alles hören und verstehen, sich aber nicht mitteilen. Birbaumer gelang es kürzlich mithilfe einer speziellen Kopfhaube, dass vier vollständig gelähmte Patienten, die nicht einmal mehr die Augen bewegen konnten, wieder kommunizieren konnten. Über Gehirn-Computer-Schnittstellen konnten sie auf Fragen, die ihnen gestellt wurden, mit „Ja“ und „Nein“ antworten.

Der allgemein verständliche Vortrag zum Thema „Gehirn-Maschine-Verbindungen: Wem nutzen sie?“ findet am Mittwoch, 13. September, um 20 Uhr in der Alten Mensa am Wilhelmsplatz statt. Birnbaumer werde auch ethische Aspekte diskutieren, kündigte Wolf an. Wenn man mit Hilfe einer Maschine die Gedanken anderer Menschen lesen könne, werfe dies grundlegende ethische Probleme auf.

Heisenbergs Film „Schläfer“

Anlässlich der Konferenz gibt es außerdem eine Filmvorführung, die sowohl für Cineasten als auch für Wissenschaftler interessant sein dürfte: Der Regisseur und Autor Benjamin Heisenberg, Enkel des Physik-Nobelpreisträgers Werner Heisenberg, wird seinen preisgekrönten Spielfilm „Schläfer“ vorstellen. Der Film lief 2005 bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes und wurde mehrfach mit Preisen ausgezeichnet, unter anderem als bestes Filmkunstwerk, das im Bereich von Wissenschaft und Technik spielt. Im Mittelpunkt steht ein junger Naturwissenschaftler, der vom Geheimdienst aufgefordert wird, einen algerischen Kollegen zu überwachsen. Dieser wird verdächtigt, Schläfer einer Terrorzelle zu sein. Obwohl sich der Wissenschaftler weigert, bleibt ein Keim des Misstrauens zurück. „Der Film entfaltet vor dem Hintergrund einer durch die Anschläge des 11. September 2011 erschütterten Gesellschaft ein Drama um Liebe, Konkurrenz und Verrat in der Wissenschaft“, heißt es in der Ankündigung.

Die Vorführung findet am Dienstag, 12. September, um 19 Uhr im Hörsaal des Deutschen Primatenzentrums in Anwesenheit von Benjamin Heisenberg statt. Die anschließende Diskussion moderieren die Göttinger Wissenschaftler Julia Fischer und Fred Wolf.

Von Heidi Niemann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Für Studierende ist es in vielen Universitätsstädten schwer, eine Unterkunft zu finden. In Großstädten hat sich die Lage im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert, so das Ergebnis einer Studie, die 93 Städte untersuchte. Göttingen liegt auf Platz 51 der teuersten Universitätsstädte

06.09.2017

Die Göttinger SPD-Landtagsabgeordnete Gabriele Andretta hat scharf den CDU-Spitzenkandidaten Bernd Althusmann kritisiert: Der „CDU-Vorschlag einer Übertragung der Universitätsklinik Göttingen in die Zuständigkeit des Sozialministeriums ist bemerkenswerter Unsinn.“

06.09.2017

Die Universitätsmedizin Göttingen hat an der Robert-Koch-Straße ein Forschungsgebäude fertiggestellt. In dem Neubau, den die Universitätsmedizin für 11,3 Millionen Euro in zweijähriger Bauzeit errichtete, untersuchen Forschergruppen verschiedener Institute die Ursachen von Herzerkrankungen.

09.09.2017