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Bibliothek stellt Bücher aus dem 17. Jahrhundert online

„Campus-Ansichten“ Bibliothek stellt Bücher aus dem 17. Jahrhundert online

Die Tageblatt-Serie „Campus-Ansichten“ bietet Einblicke und Ausblicke, die die Universität und Forschungsinstitute in Göttingen von Seiten zeigen, die nur wenigen Menschen bekannt sind. Um das Digitalisierungszentrum geht es in Folge 23.

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Quelle: dpa (Symbolfoto)

Göttingen. Tausende von Büchern aus dem 17. und 18. Jahrhundert digitalisiert die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB) und stellt sie online. „Viele Werke finden so Leser, die nie zu uns gekommen wären“, sagt Rolf Röper, der den Bereich Reproduktion der Abteilung Digitale Bibliothek leitet.

An der Eingangstür, die zu Röpers Reich im Altbau der Bibliothek, Papendiek 14, führt, laufen die meisten Passanten achtlos vorbei. Drinnen sind die Jalousien heruntergelassen. In den abgedunkelten Räumen scannen acht Mitarbeiter Buch für Buch Seite um Seite. Die aufwendigsten Scans werden von illustrierten Bänden gemacht. Sie sind nicht nur farbig, sie erfassen auch die Papierstruktur sowie Flecken oder Wurmfraßlöcher. Bei den restlichen Büchern geht es nur um den Text.

„Die Arbeit an den Reproduktionsgeräten ist monoton, verlangt aber gleichzeitig höchste Konzentration“, weiß Röper. Seine Mitarbeiter gehen dieser Tätigkeit nicht länger als vier Stunden am Stück nach. Vier Personen kontrollieren die Arbeitsergebnisse. Einer von ihnen, der seit 2009 mit dabei ist, arbeitet im sozialen Betrieb my.worx in Göttingen. „Das ist unser bester Mann“, meint Röper. Die digitale Erfassung ist ein Projektgeschäft, das mit Geldern der Deutschen Forschungsgesellschaft finanziert wird. „Es gab Zeiten, wo wir mit 42 Leuten gearbeitet haben“, erinnert sich der Leiter.

Die Bücher, die während des 17. Jahrhunderts auf deutsch erschienen sind oder in Deutschland hergestellt wurden, digitalisiert das Team seit 2008. 14531 Exemplare mit 1,76 Millionen Seiten hat es erfasst und auf der Internetseite des Göttinger Digitalisierungszentrums online gestellt. 2009 begannen sie mit dem Scannen von Büchern des 18. Jahrhunderts. In diesem Bereich hat Göttingen den Status einer Nationalbibliothek. Bisher wurden 26.002 Bücher mit mehr als vier Millionen Seiten digitalisiert. In den kommenden zwei Jahren sollen weitere 8000 Titel dazukommen. Welche Bände im Papendiek unter den Scanner gelegt werden, stimmen die verschiedenen, am DFG-Projekt beteiligten Bibliotheken untereinander ab.

Die erstellten Scans sollen mittels einer Software auch inhaltlich erschlossen werden. „Das ist eine Herausforderung“, erklärt Röper. Vor 1850 war der Buchdruck noch nicht industrialisiert, sondern Handarbeit. Entsprechend viele Schrifttypen gibt es. Erschwerend kommt hinzu, dass es damals oft auf einer Seite mehrere Spalten gab. Zu kämpfen hat die Software mit den Kustoden, Silben am Seitenende, mit denen es auf der nächsten Seite weitergeht. „An ihnen orientierten sich einst die Drucker, die die losen Blätter zu Büchern binden mussten. Das seinerzeit übliche Zitieren lateinischer und griechischer Textpassagen erschwert die Erschließung zusätzlich.

Die Göttinger Unibibliothek digitalisiert ihre Bestände seit 1997. Sie berät andere Einrichtungen in solchen Fragen.

Von Michael Caspar

http://gdz.sub.uni-goettingen.de/gdz/

 

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