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Bibliotheken: Veraltete Wissensspeicher?

Herausforderungen des Internetzeitalters und der Digitalisierung Bibliotheken: Veraltete Wissensspeicher?

Bibliotheken dienen seit mehr als  2000 Jahren als kulturelle Instanzen, die für Bewahrung und Zugänglichkeit unterschiedlicher Wissensformen unerlässlich sind. Im Internetzeitalter werden sie mit neuen Herausforderungen konfrontiert, wie in der Podiumsdiskussion der deutschlandweiten Reihe „Geisteswissenschaft im Dialog“ in der Göttinger Paulinerkirche erörtert wurde.

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Diskutanten: Stäcker, Kaufmann, Robertson-von Trotha, Chatzoudis und Kaiser (von links) im Gespräch.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Georgios Chatzoudis , Redaktionsleiter des Wissenschaftsportals „Lisa“ der Gerda Henkel Stiftung, moderierte den Dialog, der zu seinem Gastspiel in Göttingen mit „Kathedralen des Wissens – Bibliotheken im Internetzeitalter“ überschrieben war. Chatzoudis eröffnete die Diskussion mit Zweifeln an der zeitgemäßen Nutzbarkeit gedruckter Medien. So seien digitale Texte durch ihre komfortablen Suchoptionen sehr viel benutzerfreundlicher als ihre gedruckten Vorgänger, was für Bibliotheken von Nachteil sei.

Prof. Caroline Robertson-von Trotha , Direktorin des Zentrums für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium Generale der Universität Karlsruhe, mochte sich diesem Pessimismus nicht anschließen und argumentierte, dass es sich bei der verstärkten Digitalisierung um eine Herausforderung statt einer Krise handele.

Auch Thomas Stäcker , Leiter der Abteilung „Neuere Medien, Digitale Bibliotheken“ der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel, teilte die Einschätzung von Robertson-von Trotha: „Es wird tatsächlich sehr viel dramatisiert“, so Stäcker. Bibliotheken seien nach wie vor die am häufigsten besuchten Kultureinrichtungen und müssten lediglich „ihr Angebot anpassen“.

Dazu kritisierte Prof. Kaufmann, erster Vizepräsident und Vorsitzender der Philologisch-Historischen Klasse der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, dass die Digitalisierung von Fachliteratur zu unkoordiniert vorangetrieben werde. Zudem ginge beispielsweise mit der konstanten Aktualisierung von Online-Enzyklopädien das Element der Historizität verloren. Inhalte könnten im Rückblick nicht mehr im Lichte des damaligen Wissensstandes interpretiert werden. Wie Stäcker herausstellte, biete aber gerade die digitale Aktualisierung die Möglichkeit zur Protokollierung, wie es beispielsweise im Online-Lexikon Wikipedia geschehe.

Michael Kaiser , verantwortlich für die elektronische Publikationsplattform perspectivia.net der Max-Weber-Stiftung, sieht die Digitalisierung von wissenschaftlichen Veröffentlichungen ebenfalls als Investition in das Nutzbarmachen wissenschaftlicher Quellen: Die Zeiten von „weißen Handschuhen im Sonderlesesaal“ seien vorbei.

Von Jonas Rohde

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