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Biblische Darstellungen mit archäologischer Perspektive im Vergleich

Fiktion aus der Bibel Biblische Darstellungen mit archäologischer Perspektive im Vergleich

„Reine Fiktion“ sei das alttestamentarische Buch Josua. So hat der Archäologe und Historiker Prof. Israel Finkelstein von der Universität Tel Aviv seine Forschungsergebnisse bei einem Vortrag in der Paulinerkirche zusammengefasst.

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Israel Finkelstein zeigt, dass die auf der biblischen Darstellung gründenden Sichtweisen aus archäologischer Perspektive einer Korrektur bedürfen.

Quelle: Lüder

Göttingen. Das Buch Josua schildert die Eroberung Kanaans durch die Israeliten nach ihrer Flucht aus der Sklaverei in Ägypten und der 40-jährigen Wüstenwanderung. Das Buch der Richter, das die folgende Zeit bis zur Entstehung des jüdischen Königreichs beschreibt, enthalte nur vereinzelt echte Überlieferungen, meint der Professor. Sie seien dann romanhaft umgestaltet worden.

Belegen, so Finkelstein, lasse sich dagegen der Zusammenbruch des Stadtstaatensystems im Tiefland Kanaans entlang der Mittelmeerküste. Er sei aber nicht schlagartig, sondern über einen Zeitraum von 150 Jahren erfolgt. Während des gesamten Zeitraums sei die materielle Kultur, etwa die Architektur, die Metallverarbeitung oder die Kulte unverändert geblieben.

Als Ursache des Niedergangs macht der Wissenschaftler klimatische Veränderungen im östlichen Mittelmeerraum in der Zeit von 1250 bis 1100 aus. Eine lange Dürrezeit mit Missernten und Hungersnöten habe Hochkulturen von Griechenland über Anatolien und Syrien bis nach Ägypten kollabieren lassen. Die Hungersnöte fänden in verschiedenen historischen Quellen Erwähnung, führte der Wissenschaftler aus. Eine Veränderung der Vegetation konnte Finkelsteins Team anhand von Pollenproben vom Toten Meer und aus Galiläa nachweisen.

„Im Hochland entstanden von 1200 vor Christus an zahlreiche Siedlungen“, berichtete der Archäologe. Das sei nichts ungewöhnliches. In der Zeit von 3500 bis 950 vor Christus habe es im Hochland immer wieder Phasen der Siedlungstätigkeit und Zeiten des Niedergangs gegeben. Die Ursache der Dorfgründungen in der Zeit nach 1200 vor Christus sei keine Zuwanderung aus Ägypten, sondern eher eine Binnenmigration gewesen. Menschen aus dem Tiefland hätten vor der Dürre Zuflucht im Hochland gesucht.

„Eine Gruppe namens Israel fand erstmals auf der ägyptischen Merenptah-Stele aus dem späten 13. Jahrhundert Erwähnung“, sagte Finkelstein. Archäologisch sei die ethnische Identität dieser Hochlandbewohner jedoch nicht greifbar. Bisher seien keine Kultanlagen oder Friedhöfe aus dieser frühen Zeit gefunden worden. Das habe damit zu tun, dass aus politischen Gründen in den vergangenen Jahren kaum Grabungen im Hochland erfolgt seien.

Erst mit Entstehung territorialer Königreiche werde dann eine völlig neue Kultur, die sich deutlich von der der Stadtstaaten im Tiefland unterscheide, fassbar, erklärte Finkelstein. Die Hochlandbewohner hätten dann in der Zeit von 1000 bis 950 das Tiefland erobert. „Sie profitierten von einer Entspannung der klimatischen Situation in dieser Zeit“, so Finkelstein.

Von Michael Caspar

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