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Bio-Boom bringt Spezialisierungen und Strukturprobleme

Neue Schwierigkeiten für den Ökolandbau Bio-Boom bringt Spezialisierungen und Strukturprobleme

Dem Bio-Boom zum Trotz: Jedes Jahr geben in Deutschland 600 Ökobauern ihren Betrieb auf. Nach Angaben von Agrarwissenschaftler Günter Leithold, kehren davon 400 Landwirte zurück zum konventionellen Landbau, andere finden keinen Nachfolger für ihren Hof.

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Quelle: epd

Gießen. Ökolandbau sei schwieriger als konventioneller Landbau, bei dem chemische Dünger und Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden können. Die Bio-Landwirtschaft habe sich stürmisch entwickelt, sagte der Professor für Organischen Landbau an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Bundesweit gebe es rund 24.000 Öko-Betriebe. Etwa 6,5 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche werde ökologisch bewirtschaftet. Jedes Jahr werden sieben Milliarden Euro mit Bio-Lebensmitteln umgesetzt, die jährlichen Zuwachsraten liegen bei vier bis sechs Prozent.

 

Allerdings treten beim Ökolandbau einige Probleme auf, sagte Leithold. Zum idealen Biohof gehöre Rinderhaltung, denn das ursprüngliche Leitbild gehe von einem Kreislauf aus: Der Landwirt baut Klee und Luzerne an, die dazu beitragen, dass der wichtige Stickstoff aus der Luft in den Boden zurückgeführt wird. Klee und Luzerne dienen als Futter für die Rinder, deren Stalldung anschließend wieder auf die Äcker kommt.

 

"Aber heute arbeitet ein Viertel der Ökobetriebe viehlos", erklärt Leithold. Ein Grund sei der hohe Arbeitsaufwand. "Und für die Milch muss auch ein Markt da sein." Die viehlosen Betriebe brauchen eine Lösung für die Stickstoffversorgung des Bodens und der Pflanzen. "Im konventionellen Bereich wird Stickstoff einfach eingekauft." Der Ökolandwirt hingegen dürfe nicht einfach chemische Betriebsmittel einsetzen, auch keine Pestizide, Herbizide oder Fungizide. "Er ist stärker abhängig von der Natur. Er muss den Wechsel der Sommer- und Winterkulturen beachten und vorausschauender denken." Zwar bleibe der Kreislauf-Gedanke für Biohöfe zentral, doch müsse er möglicherweise variiert werden. Dafür sei Forschung notwendig. Ebenso wie im konventionellen Landbau werden Bio-Bauernhöfe immer größer und sie spezialisierten sich immer mehr. Der vielseitige, von der Familie betriebene, Gemischtbetrieb entspreche einem Idealbild, existiere heute aber kaum noch. Es gebe Betriebe, die sich auf Obst und Gemüse, auf Heil- und Gewürzpflanzen, Pilze oder Biogas konzentrierten. Derzeit liege der Ökolandbau bei 6,5 Prozent, politisches Ziel seien 20 Prozent in Deutschland, erklärte der Wissenschaftler. Das sei "sehr anspruchsvoll" und werde so schnell nicht erreicht. Hessen liege mit zwölf Prozent Öko-Anbau bundesweit mit an der Spitze. epd

 

Von Stefanie Walter

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