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Biobank ermöglicht jahrelange Probenlagerung

Neue Spezialeinrichtung für UMG Biobank ermöglicht jahrelange Probenlagerung

Die Universitätsmedizin Göttingen verfügt über eine neue Spezialeinrichtung für die medizinische Forschung: Am Mittwoch wurde im Versorgungsgebäude des Klinikums die Biobank eröffnet. Die zentrale Serviceeinheit kann bis zu zwei Millionen Proben mit Biomaterialien von Patienten jahrelang konservieren.

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Ein Teil der Proben wird in Stickstofftanks bei Temperaturen zwischen minus 150 und minus 1780 Grad gelagert. Die technische Assistentin Manuela Becker öffnet zum Befüllen den Tankdeckel.

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Quelle: pid

Göttingen. Die in der Biobank eingelagerten Proben sind eine wichtige Ressource für die Erforschung von Krankheiten wie beispielsweise Krebs, Alzheimer oder Multiple Sklerose. Wissenschaftler können durch Untersuchungen von Körpersubstanzen neue Kenntnisse über die Entstehung und den Verlauf von Krankheiten gewinnen und komplexe krankheitsbezogene Zusammenhänge besser verstehen.

2 Millionen Proben Fassungsvermögen

Die Einrichtung der neuen Biobank hat rund vier Millionen Euro gekostet. Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) ist damit nach der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) die zweite Klinik in Niedersachsen, die über eine solche zentrale Serviceeinheit verfügt. Kernstück der Biobank ist ein Spezialroboter, der auch bei sehr kalten Temperaturen funktioniert. Der so genannte Kryoroboter fasst bis zu 2 Millionen kleine Röhrchen mit biologischen Proben wie Blut, Urin, Speichel, Zellen oder Gewebe.

Er sortiert diese Biomaterialien in seinem automatisierten Lager ein und konserviert sie bei minus 80 Grad Celsius. Soll die Probe für Forschungszwecke untersucht werden, holt der Roboter das mit einem Barcode versehene Röhrchen aus dem automatisierten Lager wieder hervor. Daneben verfügt die Biobank über mehrere Stickstofftanks, in denen Proben bei Temperaturen zwischen minus 150 und minus 190 Grad gelagert werden können.

In verschlüsslter Form gespeichert

Die Proben stammen von Patienten des Klinikums, denen zu diagnostischen Zwecken Blut, Urin, Speichel oder Gewebe entnommen wurden. Bislang seien solche Proben nach Abschluss aller notwendigen Untersuchungen entsorgt worden, sagt die Leiterin der Biobank, Dr. Sara Y. Nußbeck. Mit der neu eingerichteten Biobank bekommen Wissenschaftler die Möglichkeit, die Materialien für weitere Forschungen zu nutzen.

Dr. Sarah Y. Nussbeck leitet die neu eingerichtete Biobank der Göttinger Universitätsmedizin. Hier zeigt sie die Röhrchen, in denen die Proben aufbewahrt werden.

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Die Universitätsmedizin lagert allerdings nur Biomaterialien von Patienten ein, die damit auch einverstanden sind. „Jeder Patient kann zu Beginn der Behandlung entscheiden, ob ein Teil der ihm entnommenen Proben in der Biobank eingelagert werden darf“, erläutert Nußbeck. Die Spende sei freiwillig, die Entscheidung habe keinerlei Auswirkung auf die Behandlung. Auch beim weiteren Umgang mit den Biomaterialien folge man den Vorgaben des Nationalen Ethik-Komitees und der eigenen Ethikkommission sowie den Datenschutzgesetzen. Die medizinischen Daten werden entsprechend der jeweils geltenden Bestimmungen in verschlüsselter Form gespeichert und ausgewertet. Über die Freigabe der Materialien und der zugehörigen Daten entscheiden die Ethikkommission und ein speziell eingerichtetes Herausgabekomitee der Biobank.

Habilitation in diesem Jahr

Neben dem Lager beherbergt die Biobank auch zwei Labore. „Wir wollen bei unseren eigenen Forschungen untersuchen, wie sich die Qualität der Proben weiter verbessern lässt“, erläutert Nußbeck. Die 33-jährige wurde im Januar 2015 zur Leiterin der Biobank ernannt. Sie hat zunächst Molekularbiologie studiert und danach am Institut für Medizinische Informatik in Göttingen promoviert. Im Juni dieses Jahres folgte die Habilitation. Im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit hat sie sich intensiv mit den Themen Biobanken und Datenmanagement beschäftigt.  

Im Anschluss an die Eröffnung fand am Mittwoch ein Symposium statt, bei dem Wissenschaftler über die Chancen und Herausforderungen bei der Arbeit mit Biobanken referierten.

Von Heidi Niemann

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