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Göttingen Biografie über David Hilbert
Campus Göttingen Biografie über David Hilbert
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11:00 24.12.2017
David Hilbert (1842-1943) kam 1896 nach Göttingen und machte das Mathematische Institut der Georg-August-Universität zu einem Weltzentrum der Mathematik. Quelle: r
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Göttingen

Sie kamen aus der Wilhelm-Weber-Straße 3 und der 21, trafen sich an der Wöhlerstraße, um gemeinsam zu ihrem Institut in der Bunsenstraße zu gehen. Felix Klein und David Hilbert, die beiden bedeutendsten Mathematiker ihrer Zeit, erörterten schon auf ihrem morgendlichen Fußweg mathematische Probleme. Den Göttinger Bürgern erschienen sie als Inbegriff des weltabgewandten Professors. Noch auffälliger wirkten ihre donnerstäglichen Wanderungen durch den Hainberg, wo sie umgeben von Studenten, heftig diskutierten. Was den Beobachtern verborgen blieb, auch mangels guter Mathematik-Kenntnisse, war der Gegenstand dieser Diskussionen. Es ging um die „neue Mathematik“, die über das bisherige mathematische Denken weit hinaus reichte und in ihren Anwendungen die Physik revolutionieren sollte.

Geschickter Wissenschaftsorganisator

Nun war die junge Georgia Augusta mit Gauß, Lejeune-Dirichlet und Riemann stets ein Zentrum der Mathematik gewesen, das mit Felix Klein (1849-1925) jedoch eine Steigerung erfuhr. Klein war ein herausragender Mathematiker, er war auch ein geschickter Wissenschaftsorganisator. Früh erkannte er das Genie von David Hilbert (1862-1943) und bewog ihn, einen Ruf nach Göttingen anzunehmen.

Mit Hilbert, der 1896 in Göttingen begann, wird das Institut für Mathematik zu einem Weltzentrum, zumal es Hilbert gelingt, seinen Königsberger Schul- und Studienfreund Hermann Minkowski 1902 für Göttingen zu gewinnen. Schon vor dem Ersten Weltkrieg wird in der Welt der höheren Mathematik ein Studium in Göttingen empfohlen. Nirgendwo könne man mehr lernen. Nur kurz unterbricht der Erste Weltkrieg den Zustrom nach Göttingen.

Das Kriegsende macht Göttingen für nichtdeutsche Studenten wieder interessant. Die Universität ist arm, aber sie kann bei den Mathematikern etwas anbieten, was damals keine teuren Labore und Rechner benötigte.

Dieses alles und noch mehr beschreibt Georg von Wallwitz in seinem Wissenschaftspanorama über den Übergang der klassischen Mathematik zur neuen Mathematik, in dem er Göttingen als Ausgangspunkt der neuen mathematischen Denkwelt erklärt. Allein der Hilbert-Schule werden 29000 spätere Mathematiker zugeordnet.

Buchung von Studienaufenthalten in Göttingen

1919 begann eine Blütezeit von einem guten Jahrzehnt, in dem alles was Rang und Namen in der Mathematik und der theoretischen Physik hatte, den Studienaufenthalt in Göttingen buchen musste. Die Mathematiker hatten mit dem Zugang von Richard Courant, Felix Bernstein, Edmund Landau und Hermann Weyl kräftig aufgerüstet, mit der Habilitation von Emmy Nöther, die Hilbert gegen heftigen Widerstand durchgesetzt hatte, gewann das Institut zusätzliches Profil.

Obwohl die reine Mathematik im Zentrum stand, suchte Hilbert die Zusammenarbeit mit der Physik. James Franck und Max Born waren die Ansprechpartner und über sie lieferten die Mathematiker die theoretischen Grundlagen für die sich entwickelnde Quantenmechanik. Der Zustrom der jungen Studenten ließ eine „Knabenphysik“ entstehen, die Jahrzehnte später mit Nobelpreisen belohnt wurde. Das Göttinger Nobelpreiswunder nimmt dort seinen Ausgang.

1933 ist dann schnell alles vorbei. Die Nazi-Politik vertreibt die Exzellentesten dieser Wissenschaftlergeneration. Im Zeichen der von den Nazis verordneten „neuen Wissenschaft“ verödet Göttingen. Die aus Deutschland Vertriebenen beleben die Mathematik und Physik in den USA und begründen den bis heute reichenden Weltruhm.

Georg von Wallwitz: Meine Herren, dies ist keine Badeanstalt. Wie ein Mathematiker das 20. Jahrhundert veränderte. Berenberg 2017, 25 Euro.

Von Klaus Wettig

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