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Göttingen Blick in die Zukunft mit Armar III in der Göttinger Paulinerkirche
Campus Göttingen Blick in die Zukunft mit Armar III in der Göttinger Paulinerkirche
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17:48 05.09.2014
Kennt sich mit Aufgaben im Haushalt aus: Roboter Armar III hat in der Paulinerkirche am Donnerstag auch Bücher kennengelernt. Quelle: Heller
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Göttingen

Dann erklärt die Maschine: „Diesen Gegenstand kenne ich nicht.“

Der Roboter bittet um Aufklärung. Er erfährt, dass es sich um ein Buch handelt und kann den Titel anschließend nennen. Als ihm das Buch von der Rückseite gezeigt wird, erkennt er es allerdings nicht wieder.

Der Versuch, einen Menschen nachzubauen, macht Ingenieure demütig, räumt Prof. Tamim Asfour ein. Während der Bernstein Konferenz referierte der Ingenieur am Donnerstag über humanoide Roboter. 1973 baute Ichiro Kato, Professor der Waseda-Untersität in Tokio, die erste Maschine dieser Art.

Japanische Autokonzerne griffen das auf. Tanzende Roboter für den Entertainment-Bereich entstanden. In den USA forscht insbesondere das MIT in Boston zu diesem Thema.

„Der Haushaltsroboter soll all die lästigen und monotonen Arbeiten übernehmen“

In Europa zogen Wissenschaftler in den vergangenen 15 Jahren nach. Deutsche Ingenieure befassen sich unter anderem mit der Steuerung von Robotern mittels Sprache und mit dem Nachbau der menschlichen Hand. Der 250 Kilogramm schwere Armar III hat keine Beine, sondern rollt. Das Nachfolgemodell Armar IV kann gehen, hebt Asfour hervor.

„Der Haushaltsroboter soll all die lästigen und monotonen Arbeiten übernehmen, zu denen wir Menschen keine Lust haben“, definiert Asfour das Ziel. Armar III kann Saft aus dem Kühlschrank holen, den Tisch wischen oder den Geschirrspüler bestücken. Mit einem Menschen zusammen kann er sperrige Gegenstände tragen. Das Spannende: Die Maschine lernt durch Beobachtung vom Menschen.

Noch sind die humanoide Roboter wie Armar III langsam und wirken oft rührend hilflos. „Was derzeit wie Spielerei aussieht, wird in Zukunft zu weitreichenden gesellschaftlichen Veränderungen führen“, ist sich Asfour sicher: In der industriellen Fertigung werden humanoide Roboter in Zukunft für einen weiteren Automatisierungsschub sorgen.

„Chirurgen der Zukunft werden an einer Konsole mit Joysticks sitzen“

Asfour forscht auch über Roboter zum Anziehen. Ein Helm mit Sensoren könnte Blinde durch die Stadt leiten. Ortsfremde könnte er führen. Mit einem solchen Helm ließe sich jede Sprache der Welt übersetzen. Roboter-Anzüge ermöglichten es Rollstuhlfahrer aufzustehen.

Die Hose würde für einen sicheren Stand sorgen und das Gehen unterstützen. In der Rehabilitation von Schlaganfallpatienten oder Unfallopfern erleichterten die Anzüge das Wiedererlernen motorischer Fähigkeiten.

Roboter-Anzüge sollen nach dem Willen der Forscher aber auch Menschen schneller und stärker machen. Feuerwehr-Männer in schwerer Schutzkleidung und mit Atemmaske wären nicht schon nach einer halben Stunde erschöpft, führt Asfour aus. Ein Mensch mit schwerem Bleimantel könnte in havarierten Atomkraftwerken nach dem Rechten sehen.

„Chirurgen der Zukunft werden an einer Konsole mit Joysticks sitzen“, erwartet der Professor. Sie könnten gleich mehrere Roboterarme bedienen, gleichzeitig schneiden, Blut absaugen, etwas abtupfen und ein Tablett halten. In der industriellen Fertigung, wo Beschäftigte etwa mit den Händen über dem Kopf arbeiteten, ließen sich solche Hilfsmittel einsetzen.

Von Michael Caspar

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