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Blick ins Herz und die Vergangenheit der Göttinger Akademie

Jahresfeier der Akademie der Wissenschaften Blick ins Herz und die Vergangenheit der Göttinger Akademie

Vor einem Minister, der einst sein Student war, hat der Präsident der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Stefan Tangermann, die Jahresfeier eröffnet. Im Mittelpunkt standen für die Akademie wichtige Ereignisse des vergangenen Jahres, die Magnetresonanz-Tomografie – und die Terroranschläge von Paris.

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Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) ging bei der Akademie-Jahresfeier am Sonnabend besonders auf die Forschungsgebiete der Akademie ein, die globale Probleme wie Klimawandel, demografischen Wandel oder Ein- oder Auswanderungsbewegungen behandeln. Und in diesem Zusammenhang ging er auch auf die Terroranschläge in Paris am Freitag ein: „Der Anschlag galt einem Ort, der in wenigen Tagen Ort der Weltklimakonferenz sein soll.“ Was geschah, nannte Wenzel „außerordentlich tragisch“. Akademie-Präsident Tangermann, der einige Jahre für die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) beruflich in der Hauptstadt Frankreichs tätig war, erklärte zu den Anschlägen, „Paris, diese wunderbare Stadt, die jetzt so leiden muss.“

Vor 33 Jahren habe er Agrarökonomie studiert und mit dem Studium, zu dem Vorlesungen von Prof. Tangermann zählten, „eine sehr gute Grundlage für ganz, ganz viele Herausforderungen im Leben erhalten“, sagte Wenzel. In seiner Rede hob er die Publikationen der Akademie hervor, die schon im 18. Jahrhundert mit den Gelehrten Journalen und Zeitungen dafür sorgten, dass Erkenntnisse aus den Wissenschaften einem breiteren Kreis der Öffentlichkeit bekannt wurden. Die damaligen Publikationen gelten heute als „Schlüsselwerke der Aufklärung“.

Tangermann betonte, dass die heutige Akademie „die Hinwendung zur Öffentlichkeit als Auftrag versteht, den wir in diesem Land wahrnehmen sollen.“ Damit bezog er sich auch darauf, dass die Göttinger Akademie zugleich die des Landes Niedersachsen ist.

Anregungen von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) zu externen Plenarsitzungen und zwei Zukunftsdialog-Veranstaltungen in Herrenhausen seien umgesetzt worden. In Göttingen beteiligt sich die Akademie an den zentralen Ringvorlesung und am Göttinger Literaturherbst, bei der Akademiewoche im Alten Rathaus referieren ihre Mitglieder zu einem wissenschaftlichen Thema. Tangermann stellte im Überblick über die Forschungsvorhaben heraus, dass „Göttingen an vorderster Front ist auf dem Gebiet der Digital Humanities“, die Geisteswissenschaften und Informatik verbinden.

Dem Land und der Universität sei die Akademie dankbar dafür, „endlich ein Gebäude für die Mehrzahl der Akademie-Projekte zu erhalten“. Derzeit werde das in der Geiststraße noch umgebaut und hergerichtet, werde aber in absehbarer Zeit eröffnet. Von den zahlreichen Akademie-Projekten hob Tangerman die Kommission hervor, die das Thema „Die Akademie der Wissenschaften zu Göttingen und der Nationalsozialismus“ untersucht. Dabei gehe es um die Rolle der Akademie zu der Zeit im Wissenschaftsbetrieb, aber auch um die Kriterien zu untersuchen, nach denen Mitglieder ausgeschlossen und neue aufgenommen wurden.

Akademie-Mitglied Jens Frahm berichtete zum Abschluss der Jahresfeier im Aulagebäude der Universität über Magnetresonanz-Tomografie in Echtzeit. Seit 1982 erforscht und entwickelt der Göttinger Physikprofessor am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie die Technologie. Diese liefert inzwischen 100 Bilder pro Sekunde von Gelenk-, Schluckbewegungen, Herzschlägen, Blutfluss oder Liquorfluss im Gehirn. Frahm zeigte solche Aufnahmen und erklärte deren Vorteil für die medizinische Diagnostik, die bessere Erkenntnisse erhalte. Für den Patienten sei die Methode angenehmer, weil damit viele Untersuchungen ohne Eingriff und /oder ohne Anästhesie erfolgen können. Frahm ist überzeugt, dass die Magnetresonanz-Tomografie in Echtzeit nicht nur die Diagnostik revolutionieren wird: „Für die Wissenschaft steht uns eine völlig neue Welt offen.“

Echtzeit MRT ©Heller

Echtzeit MRT ©Heller

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