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Breite Öffentlichkeit mit gelehrter Arbeit überzeugt

Lichtenberg-Medaille 2009 Breite Öffentlichkeit mit gelehrter Arbeit überzeugt

Die Göttinger Akademie der Wissenschaften hat ihre höchste Auszeichnung verliehen: Der Münchener Althistoriker Prof. Christian Meier erhielt die Lichtenberg-Medaille 2009 am Freitag in der Aula der Universität am Wilhelmsplatz.

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Medaille vom Akademie-Präsidium: Christian Meier (Zweiter von rechts) mit den Akademie-Vertretern Norbert Elsner, Christian Starck und Werner Lehfeldt (von links) in der Aula.

Quelle: Swen Pförtner

Mit der Lichtenberg-Medaille zeichnet die Akademie seit 2004 Wissenschaftler aus, die, so Akademie-Präsident Prof. Christian Starck, nicht nur ausgewiesene Fachgelehrte sind, sondern mit ihren Arbeiten auch eine Wirkung in der breiten Öffentlichkeit erzielt haben. Dem diesjährigen Preisträger Prof.   Christian Meier von der Ludwig-Maximilians-Universität in München ist dies vor allem mit Arbeiten zur griechischen und römischen Geschichte, nicht zuletzt mit einer Biographie Caesars, gelungen. 

„Meier hat es hier glänzend verstanden, jahrzehntelange gelehrte Arbeit mit modernen, weiterführenden Fragestellungen zu verknüpfen und anhand zentraler Gegenstände weit über den Kreis seines Faches hinaus eine lebendige, intensive Debatte zu eröffnen“, heißt es in der Laudatio. Eine Kostprobe dieser Fähigkeit gab Meier in seinem Vortrag „Sieger, Besiegte oder wer schreibt die Geschichte?“ So lautet ein schon lange bekannter Satz: „Der Sieger schreibt die Geschichte.“ Ist das zutreffend? 

Hat Friedrich Nietzsche Recht, wenn er Geschichte als „den Hohn der Sieger“ bezeichnet? Eine differenzierte Analyse dieser These lieferte Meier zunächst mit Beispielen aus seinem Fachgebiet, der griechischen Antike. Mit Herodot findet sich dabei eine erste Persönlichkeit, die historische Ereignisse und Zusammenhänge, hier die der griechischen Rivalität mit dem persischen Reich, anhand einer genauen Nachzeichnung der Ereignisse zu erklären versuchte. Zufall und Götter sollten bei ihm als Erklärung für oft Unerklärliches nicht mehr in Frage kommen. 

Thukydides optimierte später das Prinzip von methodischer Strenge und war damit, so Meier, auf der intellektuellen Höhe seiner Zeit. In seiner eng an Tatsachen orientierten Arbeit fehlte ihm zunächst die Möglichkeit, Interpretationen liefern zu können. Dazu bediente sich der antike Historiker eines Kniffs. Mit in ihrem Wortlaut erfundenen Reden konnte er, parallel zur Ereignisgeschichte, seine Einschätzung von Beweggründen der handelnden Personen liefern. Wo in der Antike die Frage nach Siegern und Besiegten vergleichsweise eindeutig zu beantworten ist, verschwimmen die Positionen zunehmend, wenn man sich in Richtung Gegenwart bewegt. Damit schlug Meier den Bogen in die Neuzeit, wo die Frage nach der Autorenschaft bei der Geschichtsschreibung zunehmend komplex wahrgenommen wird. Soll man das Ende des Zweiten Weltkriegs, militärisch gesehen für Deutschland eine Niederlage, als solche betrachten? Oder doch als die Befreiung, als die sie heute verstanden wird? 

Und was ist mit den „Besiegten“ der Wende 1989, deren Traum vom sozialistischen Frieden ausgeträumt war? Ein Beispiel kann, so der Redner, der römische Historiker Tacitus sein. In seinem Land selbst der Senatorenschicht angehörig, die gerade die Macht an  den Kaiser verlor, sieht er sich selbst und seine Zeit differenziert. Mit seiner Geschichtsschreibung distanziert er sich von „seiner“ Seite der Geschichte. Vielleicht ist der im Siegerlager Besiegte der beste Geschichtsschreiber?   Isabel Trzeciok 

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