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Bundespräsident Gauck eröffnet 50. Deutschen Historikertag

1400 Gäste in der Lokhalle Bundespräsident Gauck eröffnet 50. Deutschen Historikertag

Über Gewinner und Verlierer, wie den Schriftsteller Walter Kempowski, hat Bundespräsident Joachim Gauck in seiner Rede zur Eröffnung des 50. Deutschen Historikertages gesprochen.

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Bundespräsident Joachim Gauck kommt zur Eröffnung des Historikertages.

Quelle: Heller

Göttingen. Bei der Festveranstaltung am Dienstagabend in der Lokhalle vor 1400 Gästen forderte Gauck die Historiker auf, sich auch mit der Geschichte der Verlierer zu befassen. Der 50. Deutsche Historikertag hat das Motto „Gewinner und Verlierer“.

Im dunklen Industriedenkmal und auf einer Bühne, die auch in den Farben Blau, Weiß, Rot des Union Jack, der Nationalflagge Großbritanniens, angestrahlt wurde, ging der Bundespräsident in seiner gut 30-minütigen Rede insbesondere auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts ein.

Der Schriftsteller Walter Kempowski (1929-2007), der Mitte der 50er-Jahre zum Studium nach Göttingen gekommen war, hatte zuvor als politischer Häftling der sowjetischen Besatzungsmacht die Einzelhaft in Bautzen erlebt. Kempowski sei es gelungen, mit der eigenen Geschichte als Thema seiner Romane zum Gewinner zu werden. Dieses Einzelschicksal, so Gauck, verdeutliche, „dass Verlierer nicht immer Verlierer bleiben müssen“.

Warnung vor Besserwisserei und Hochmut

Aber auch das Verhalten der Gewinner sei dafür entscheidend. Der Bundespräsident stellte das Verhalten der Siegermächte gegenüber Deutschland nach 1918 dem der Besatzungsmächte in West-Deutschland nach 1945 gegenüber.

„Das Land konnte mit der Niederlage auch deshalb anders umgehen, weil es von den Siegern schon bald wieder in den Kreis der möglichen, dann der tatsächlichen Partner aufgenommen wurde“, beschrieb Gauck die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg. 

Der Bundespräsident warnte davor, sich „zu Besserwisserei und Hochmut verleiten“ zu lassen, weil „wir heute vieles genauer sehen können, weil wir später dran sind. Vielmehr sollte das Wissen um die Vergangenheit zu Skepsis gegenüber dem gegenwärtigen Handeln führen.

Ministerpräsident Stefan Weil (SPD) betonte die Rolle der britischen Militärregierung in Niedersachsen. Diese habe nach 1945 das Volkswagen-Werk in Wolfsburg nicht demontieren lassen und die Gründung der Hannover-Messe, die heute weltbekannt sei, ermöglicht.

Ort der deutsch-britischen Geschichte

Großbritanniens Botschafter, Simon McDonald, hatte zuvor auf das Jahr 2014 als besonderes und die Universität Göttingen als besonderen Ort der deutsch-britischen Geschichte hingewiesen. Der Beginn der Personalunion vor 300 Jahren, als für 123 Jahre fünf hannoversche Könige zugleich englische waren, hat Großbritannien zum Partnerland des 50. Deutschen Historikertages gemacht. 

Das Jubiläum des Historikertages falle in ein Jahr mit vielen Gedenktagen, so Prof. Martin Schulze Wessel. Der Vorsitzende des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD) hatte den Kongress eröffnet. Dieser habe mit dem russisch-ukrainischen Krieg nur eines von zahlreichen aktuellen Themen.

Die Geschichtswissenschaft drehe sich nicht mehr nur um Siegergeschichten und Legenden: „Es ist ihre Aufgabe, die Hauptstraßen, Nebenwege und Sackgassen der Geschichte aufzuzeigen.“ Dafür sei es auch notwendig, an den Universitäten „mehr unbefristete Stellen für junge Wissenschaftler zu schaffen“, forderte Schulze Wessel.

Diskussion über Schottland

Das Referendum in Schottland wird ein weiteres Diskussionsthema des 50. Deutschen Historikertages sein. Das Programm der Konferenz mit mehr als 3000 Teilnehmern in Göttingen wird ergänzt um die Podiumsdiskussion „Wer gewann das Referendum in Schottland? Verlierer, Gewinner und die Zukunft von Großbritannien“.

Bei dem Referendum am 18. September haben sich 55 Prozent der Schotten für den Verbleib Schottlands in Großbritannien entschieden. Die Geschichtsprofessoren George Peden (Stirling), Klaus Stolz (Chemnitz), Andreas Gestrich (London) und Arnd Reitemeier (Göttingen) diskutieren über die schottische Unabhängigkeitsbewegung am Donnerstag, 25. September, um 13.15 Uhr im Zentralen Hörsaalgebäude der Universität, Platz der Göttinger Sieben 5, Saal 105. 

Die Besucher des Historikertages mit dem Motto „Gewinner und Verlierer“ erwarten nach Veranstalterangaben bis Freitag 70 wissenschaftliche Sektionen mit mehr als 450 Referenten. Außerdem hat die Tagung die größte Fach- und Verlagsausstellung der Geschichtswissenschaften mit etwa 120 Ausstellern, Programmpunkte für Schüler, Posterausstellungen von Doktoranden und erstmals ein geschichtsdidaktisches Forum für Geschichte in Wissenschaft und Unterricht.

 

Die Universität Göttingen ist Gastgeberin für den 50. Deutschen Historikertag unter dem Motto „Gewinner und Verlierer“.

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historikertag.de
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„Gewinner und Verlierer“
Kommt zum Historikertag: Bundespräsident Gauck.

Der Deutsche Historikertag ist einer der größten geisteswissenschaftlichen Kongresse in Europa: Mehr als 3000 Wissenschaftler und Lehrer werden auch zum 50. Deutschen Historikertag vom 23. bis  26. September an der Universität Göttingen erwartet. Der Kongress, der alle zwei Jahre an einer deutschen Universität stattfindet, hat 2014 das Thema „Gewinner und Verlierer“.

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