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Butterbrot gefährlicher als Rinderwahnsinn

„Irrationale Ängste“ Butterbrot gefährlicher als Rinderwahnsinn

Menschen handeln irrational. Sie fürchten sich vor dem Rinderwahnsinn. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie an einem Butterbrot ersticken, deutlich größer. Das meint Prof. Andreas Hensel, Leiter des Berliner Bundesintituts für Risikobewertung.

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Labor im tierärztlichen Institut der Universität Göttingen im Jahr 2005: Rinderhirne werden auf BSE untersucht, bevor Schlachthöfe das Fleisch in den Handel geben.

Quelle: pid

2002 ist sein Institut eingerichtet worden. Die Politik reagierte damals auf den BSE-Skandal. Zwei Minister verloren ihren Posten. „Es ist viel Geld in die Bekämpfung des Rinderwahnsinns geflossen“, sagt Hensel. 530 Millionen Euro hat es seit dem Jahr 2000 gekostet, knapp 20 Millionen Rinder in Deutschland auf BSE zu testen.

413 kranke Tiere wurden so entdeckt. Die Tendenz ist mittlerweile stark fallend. 2009 fanden Kontrolleure nur noch zwei kranke Rinder. Dem hohen Aufwand steht nur kleine Zahl an infizierten Menschen gegenüber, die an der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit starben. Zu Beginn der BSE-Krise gingen Wissenschaftler von mehreren 1000 möglichen Toten aus. Zwischenzeitlich sind die Zahlen deutlich nach unten korrigiert worden, betonte Hensel. In England, dem am stärksten betroffenen Land seien bisher keine 200 Personen der Krankheit zum Opfer gefallen.

Wesentlich mehr Menschen ließe sich das Leben retten, wenn der Staat das Geld der Bürger an anderer Stelle einsetzte, gab der Professor zu bedenken. In Deutschland würden jedes Jahr 423 000 Menschen an Herz-Kreislauf-Beschwerden sterben und 211 000 Menschen an Krebs. Das seien die beiden häufigsten Todesursachen. Die Angst davor sei aber nicht so groß.

Stattdessen reagierten die Menschen sehr heftig auf Lebensmittelskandale, obwohl sie durch diese gesundheitlich erheblich weniger gefährdet seien. Hensel empfahl, sich den Appetit nicht verderben zu lassen und sich lieber mehr zu bewegen (Stärkung des Herz-Kreislauf-Systems) und nicht zu rauchen (Vorbeugung gegen Lungenkrebs). Damit täten die Menschen viel mehr für ihre Gesundheit als durch den Verzicht auf bestimmte Lebensmittel.

Der Professor nannte weitere Beispiele für das irrationale Verhalten der Menschen. Viel Geld würde für Kampagnen gegen das Rauchen ausgegeben. Dass regelmäßiges Sonnenbaden genauso gefährlich sei (Hautkrebs), wüssten nur wenige.

Die Menschen fürchteten sich vor Flugzeugabstürzen, dabei sei das Risiko, im Straßenverkehr umzukommen, deutlich größer. Statistisch gesehen müsste ein Passagier 67 Jahre lang ununterbrochen fliegen, um einmal einen Absturz zu erleiden. Andererseits: „Wenn Sie ins Auto steigen, ist die Wahrscheinlichkeit, bei einem Unfall zu sterben, 35 000 Mal größer, als wenn Sie zu Fuß gehen“, so Hensel. Die Wahrnehmung des Problems sei wahrscheinlich eine andere, wenn sich alle 4500 tödlichen Verkehrsunfälle in Deutschland an einem Tag ereignen würden.
Hensel sprach im Rahmen der agrarwissenschaftlichen Vortragsreihe „Tierseuchen und Zoonosen in Zeiten der Globalisierung“ in der Aula der Universität Göttingen am Wilhelmsplatz über das Thema „BSE ­– War da was?“.

Michael Caspar

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