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Genug Energie für eine Kleinstadt

Campus Ansichten: Das Uni-Kraftwerk Genug Energie für eine Kleinstadt

Über ein eigenes Kraftwerk, das ausreichend Strom und Wärme für eine Stadt mit mehr als 25.000 Einwohnern produziert, verfügt die Universität Göttingen. Kessel mit 192 Megawatt Feuerungswärme versorgen 300 Gebäude im Stadtgebiet. Das Tageblatt stellt die Einrichtung in Folge 55 der Reihe Campus Ansichten vor.

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Quelle: Markus Hartwig

Göttingen. Der markante Schornstein des mehrstöckigen Heizkraftwerks an der Rudolf-Diesel-Straße 10 ist bereits von der Autobahn aus zu sehen. Selbst nachdem er in den 90er-Jahren von 140 auf 78 Meter (zuzüglich eines vier Meter hohen Stahlaufbaus) gekürzt wurde, ist er immer noch imposant. „Der hohe Schornstein verteilte einst den Ruß weiträumig, der beim Verbrennen von Schweröl entstand“, berichtet Holger Knöfel, der das technische Gebäudemanagement der Universität leitet. „Als wir Ende der 80er-Jahre auf Erdgas umstellten, entlastete das die Umwelt deutlich“, betont der Ingenieur.

„Das 1967 in Betrieb genommene Kraftwerk garantiert die sichere Stromversorgung“, erläutert Knöfel. Darauf seien insbesondere die Abteilungen der Universitätsmedizin, aber auch viele Einrichtungen der Hochschule angewiesen. „Unsere Energievorräte sind so groß, dass wir eine Woche lang Strom produzieren können“, berichtet Christian Gemm, der Betriebsleiter des Kraftwerks. Die Universität verfügt zudem über ein eigenes, 24 Kilometer langes Stromnetz, an das die meisten der 230 Gebäude der Universität und der 70 Gebäude der Universitätsmedizin angeschlossen sind. Es erstreckt sich vom Alten Botanischen Garten bis zum Uni-Nordbereich. Nur die Uni-Gebäude in der Innenstadt sind nicht angeschlossen.

„Das Heizwerk ist ursprünglich mit einer Leistung von 300 Megawatt geplant worden“, sagt Betriebsleiter Gemm. Doch so viel Strom benötigt die Hochschule, deren Ausbau deutlich hinter den ursprünglichen Plänen zurückgeblieben ist, nicht. Einer der alten Kessel von 1967, der mehrere Stockwerke hoch ist, wird noch betrieben. Mit 36,6 Megawatt Feuerungswärmeleistung deckt er den Bedarf von 2000 modernen Einfamilienhäusern. Außerdem gibt es zwei weitere, Mitte der 70er-Jahren installierte 36,6-Megawatt-Kessel. In den 90er-Jahren kam ein Kessel mit einer Leistung von 17 Megawatt dazu. Außerdem verfügt das Heizkraftwerk über eine 65-Megawatt-Turbine, wie sie auch in Flugzeugen verbaut werden.

„1996 stellten wir auf Kraft-Wärme-Kopplung um“, führt Betriebsleiter Gemm aus. Seither wird auch die gewonnene Wärme genutzt, was die Energieeffizienz erhöht hat. Mit der Wärme, die über ein 13 Kilometer langes Fernwärmenetz verteilt wird, heizen neben Universität und Klinikum auch die Max-Planck-Institute, das Deutsche Primatenzentrum und das Studentenwerk. Die nötigen Investitionen tätigte seinerzeit die EAM, mit der die Universität einen 20-Jahres-Vertrag schloss. Der Vertrag ist 2016 ausgelaufen. Seither betreibt die Universität das Heizkraftwerk – mit fünf Mitarbeitern – wieder selbst. Als Dienstleister ist die EAM mit zehn Mitarbeitern jedoch weiterhin im Kraftwerk tätig. „Durch diese Lösung spart die Universität Geld“, erklärt Knöfel vom Gebäudemanagement.

„In Zukunft sollen dezentrale Blockheizkraftwerke das Heizwerk ergänzen“, kündigt Betriebsleiter Gemm an. Die Ausschreibung für die ersten drei dieser Anlagen läuft derzeit.

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