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Patienten lernen unter Palmen

Campus-Ansichten: Die Klinikschule Patienten lernen unter Palmen

In einem Pavillon unter Palmen betreibt die Göttinger Klinik für Kinder- und Jugendmedizin eine Schule für junge Patienten. Elf Lehrer unterrichten in der Osthalle der Universitätsmedizin Kinder und Jugendliche. Das Tageblatt stellt die Einrichtung in der Reihe Campus-Ansichten vor (Folge 59).

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Quelle: Wenzel

Göttingen. „Wir stehen in engem Kontakt mit den Schulen der Kinder“, betont Gymnasiallehrerin Sandra Wolf, die auch am Hainberg-Gymnasium Mathematik und Sport unterrichtet. So stelle das Kollegium der Klinikschule sicher, dass die jungen Patienten – soweit es ihr Gesundheitszustand erlaube – beim Schulstoff auf dem Laufenden blieben. „Durch den Einzel- und Kleingruppen-Unterricht können wir intensiv auf die Kinder eingehen“, sagt der für Naturwissenschaften zuständige Realschullehrer, Erich Blanke. Die jungen Patienten lernten dadurch mehr als in der Schule.

„In Mathe bin ich weiter als meine Mitschüler“, freut sich Hanna (13), die seit September im Krankenhaus ist. Zweimal in der Woche geht sie derzeit wieder in ihre alte Schule. An den anderen Tagen besucht sie die Klinikschule. Robin (15), der seit März im Klinikum ist, findet den lichtdurchfluteten Pavillon „cool“. Auf Station sei es nicht überall so hell. Vor dem Unterricht dürften sie auch mal nach draußen gehen. Neulich habe er mit seinem Lehrer auf der Wiese Fußball gespielt.

Auch eine Band gibt es, die Musiklehrer Jörg Baumann leitet. Drei, vier Auftritte pro Halbjahr haben die jungen Musiker im Andachtsraum des Klinikums. 60 Personen, darunter Eltern und Mitschüler, aber auch Ärzte und Krankenschwestern sitzen dann im Publikum.

Tanz bietet Lehrerin Wolf an, die eine entspechende dreijährige Zusatzausbildung absolviert hat. „Tanzen ermöglicht es, sich ohne Worte auszudrücken“, erklärt Wolf. Kinder mit Essstörungen könnten so ein freudvolleres Körpergefühl entwickeln.

„Im Unterricht erleben die Patienten wieder ein Stück Normalität“, betont die Lehrerin und Krankenschwester Bettina Rizzi, die als Mitarbeiterin des Klinikums die Arbeit der Klinikschule koordiniert. Die Krankheit mit ihrem ungewissen Ausgang, aber auch die lange Trennung von zuhause, oft die erste überhaupt in ihrem Leben, bedeuteten einen Einschnitt im Leben der Kinder. Weitere Belastungen entständen durch Sorgen der Eltern, ergänzt Prof. Jutta Gärtner, die Direktorin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin. Der Grund: Kinder orientierten sich in Stresssituationen oft an der Gefühlslage der Eltern.

„Der medizinische Apparat schüchtert die Patienten häufig ein“, weiß Koordinatorin Rizzi. Da biete ihnen der Schulbesuch ein Stück Normalität und eine willkommene Abwechslung. In der Schule, so Prof. Gärtner, hätten die Kinder und Jugendlichen Erfolgserlebnisse. Sie kontrollierten die Situation. Positiv wirke sich der Kontakt zu anderen Kindern aus. Schließlich biete der Unterrich eine Zukunftsperspektive. Die Patienten würden kein Schuljahr verlieren.

„Wir können hier nicht einfach die Schulbücher aufklappen und mit dem Unterricht beginnen“, betont Wolf. Als Lehrer müssten sie sich zunächst intensiv um den Aufbau einer Beziehung zu den Kindern benühen. „Wir bekommen dadurch auch sehr viel zurück“, ergänzt Blanke. Wenn die Kinder entlassen würden, verabschiedeten sie sich persönlich, überreichten lange Briefe und gebastelte Geschenke.

Der Besuch einer Klinikschule ist für schulpflichtige Kinder gesetzlich vorgeschrieben. Voraussetzung: Sie müssen länger als vier Wochen stationär behandelt werden.

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