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„Campus-Ansichten“: Die Kühltürme des Klinikums

Tageblatt-Sommerserie, Folge 2 „Campus-Ansichten“: Die Kühltürme des Klinikums

Die Tageblatt-Sommerserie „Campus-Ansichten“ bietet Einblicke und Ausblicke, die die Universität und Forschungsinstitute in Göttingen von Seiten zeigen, die nur wenigen Menschen bekannt sind. Um die Knöpfe des Universitätsklilinikums dreht sich Folge 2.

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Mächtig aus der Nähe und weithin sichtbar: Einer der Quader, der zu den zwölf Kühltürmen des Klinikums zählt.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Die zwölf schwarzen „Knöpfe“ oben auf dem Dach des Universitätsklinikums sind weithin sichtbar. Entsprechend oft wird über ihre Bedeutung gerätselt. Handelt es sich um architektonischen Zierrat, beherbergen sie Schwimmbäder oder gar Operationssäle? Reiner Rudolph (63) vom Bereich Betriebstechnik des Klinikums hat schon manche Mutmaßungen gehört. „In den Aufbauten befindet sich Kühl- und Lüftungstechnik für das vollklimatisierte Hauptgebäude“, klärt er auf.

So groß die 18 Meter langen, 13 Meter breiten und 9,5 Meter hohen Würfel sind, so reicht doch die in ihnen enthaltene Technik nicht für das gesamte Gebäude aus. „Alles, was sich oben auf dem Dach befindet, gibt es unten im Keller noch einmal“, sagt der Handwerker.

Vom Dach aus werden die oberen drei Stockwerke belüftet, vom Keller aus die unteren vier Etagen. Die frische Luft wird angesaugt, je nach Wetter aufgeheizt oder abgekühlt und auf eine Luftfeuchtigkeit von 50 Prozent gebraucht. Außerdem passiert sie einen Schalldämpfer, damit sich keine Windgeräusche übertragen, sowie Filter.

Die Abluft wiederum wird nach außen geblasen. „Solange der Ventilator läuft, ist der Unterdruck so groß, dass sich die Tür nicht öffnen lässt“, berichtet Rudolph.

Um Lüftung und Kühlung kümmern sich zehn der 100 Betriebstechniker des Klinikums. Einer von ihnen ist das ganze Jahr über damit befasst, die Technik in einem der zwölf Türme nach dem anderen zu warten. Die Filter sind zu reinigen, Rost von den Anlagen zu entfernen, Streicharbeiten vorzunehmen. „Knochenarbeit“ sei das, meint Rudolph.

Ein Kollege hat außerhalb der regulären Arbeitszeit immer Rufbereitschaft, um im Notfall kaputte Keilriemen zu ersetzen, zugefrorene Luftschächte von Eis zu befreien oder ausgefallene Motoren wieder zum Laufen zu bringen.

Der Arbeitsplatz hoch oben auf dem Dach hat seine besonderen Reize. Die nahezu unverstellte Aussicht auf das Leinetal ist herrlich. „Sie hat bereits Ärzte angelockt, die es sich dort oben auf Liegestühlen bequem machten“, erinnert sich Rudolph. Er musste sie bitten zu gehen.

Auch Kinder haben sich bereits auf das Dach geschlichen, obwohl die Türen eigentlich immer verschlossen sind. Das sehen die Vorschriften vor. „In einem Krankenhaus gibt es auch niederschmetternde Diagnosen“, erklärt der Betriebstechniker. Kein Patient solle auf falsche Gedanken kommen.

Im Winter, wenn der Wind über das Flachdach bläst, wird es eisig kalt. „Und bei Schnee gibt es keinen Räumdienst“, sagt Rudolph. Wenn der nächste Winter kommt, wird der 63-Jährige jedoch nicht mehr dabei sein. 47 Jahre hat er gearbeitet, davon 37 Jahre für die Universitätsmedizin im Klinikum. „Gelernt habe ich Auto- und Zweiradmechaniker“, erinnert er sich.

Er sattelte um, weil ihn der sichere Arbeitsplatz im öffentlichen Dienst lockte. Bereut habe er das nie, sagt Rudolph und blickt zufrieden auf die Kühltürme.

von Michael Caspar

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