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„Campus-Ansichten“: Die Magazine des Zoologischen Instituts

Tageblatt-Sommerserie, Folge 5 „Campus-Ansichten“: Die Magazine des Zoologischen Instituts

Die Tageblatt-Sommerserie „Campus-Ansichten“ bietet Einblicke und Ausblicke, die die Universität und Forschungsinstitute in Göttingen von Seiten zeigen, die nur wenigen Menschen bekannt sind. Um die Magazine des Zoologischen Instituts geht es in Folge 5.

Göttingen. Zahllose Schubladen mit Käfern und Schmetterlingen, Kartons voller Vogelbälge, ausgestopfte Ameisenbären und Orang Utangs: 95 Prozent der 125 000 Sammelobjekte des Göttinger Johann-Friedrich-Blumenbach Instituts für Zoologie und Anthropologie ruhen, für die Öffentlichkeit unzugänglich, im Magazin, berichtet Kustos Gert Tröster.

Gerade einmal fünf Prozent der Schätze zeigt das Institut in seinem Zoologischen Museum in der Berliner Straße 28. Der Rest der Präparate befindet sich in 14 Räumen, die über mehrere Stockwerke des Gebäudes verteilt liegen. Auf 260 Quadratmeter Lagerfläche kommt Tröster insgesamt. Viele Trockenpräparate, darunter ein größerer Bestand an Wildpferd-Skeletten, bewahrt der Kustos unterm Dach des Instituts auf.

In einem fensterlosen Raum im Keller befinden sich die in Alkohol konservierten Objekte, etwa Seesterne, Schlangen oder ein junges Stachelschwein. „Diese Form der Aufbewahrung erhält auch die Weichteile“, nennt Tröster einen Vorteil. Weil der Alkohol über die Jahre verdunstet und möglicherweise durch Funkenflug explodieren kann, gibt es im Kellerraum keine Steckdose und keinen Lichtschalter.

Derzeit erfasst der Kustos mit zwei Mitarbeiterinnen die Objekte und ihre jeweiligen Standorte im Gebäude elektronisch. Bei 20 Prozent der Stücke ist das bereits erfolgt. Über weitere 20 Prozent gibt es Aufzeichnungen auf Papier. Von den restlichen 60 Prozent weiß niemand, wo genau was lagert.

Allerdings trägt jedes Objekt einen Zettel, der Fundort, Funddatum und oft auch den Sammler nennt. „Ohne diese Informationen hätten die Stücke keinen wissenschaftlichen Wert“, betont der Kustos. Er erwartet, dass Wissenschaftler mit zunehmender elektronischer Erschließung der Bestände die Sammlung intensiver nutzen.

Ein wichtiger Teil von Trösters Arbeit besteht im Erhalt der Sammlung. Museumskäfer, Motten und andere Schädlinge können die Objekte schädigen. Damit das nicht passiert, kommen zum Beispiel sämtliche Insekten vorbeugend alle zwei Jahre in die Tiefkühltruhe. Auf bis zu minus 32 Grad Celsius sinken dort die Temperaturen. Das tötet die Schädlinge. Die Prozedur, die jeweils drei Tage dauert wird über vier Wochen mehrmals wiederholt.

Die ältesten Teile der Sammlung stammen noch aus dem Königlich-Akademischen Museum, das 1773 in Göttingen gegründet worden ist und in den 1840er Jahren seine naturkundlichen Bestände abgab. „In den vergangenen Jahren kamen Insektensammlungen von privaten Sammlern, aber auch Trophäen eines Großwildjägers dazu“, berichtet der Kustos.

Von Schulen der Region übernahm das Institut ausgestopfte Tiere, die nach Lehrplanänderungen nicht mehr für den Biologieunterricht benötigt wurden. Jüngster Zugang ist ein Flusspferdskelett, das ein Zoo im Taunus spendete. Der Präparator des Museums, Carsten Wortmann, reiste an, um das Fleisch des Tieres selbst zu entfernen.

Von Michael Caspar

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