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„Campus-Ansichten“: Ein Gott und neun Musen im Göttinger Aulagebäude

Dekoration im Stil antiker Städte „Campus-Ansichten“: Ein Gott und neun Musen im Göttinger Aulagebäude

Die Tageblatt-Serie „Campus-Ansichten“ bietet Einblicke und Ausblicke, die die Universität und Forschungsinstitute in Göttingen von Seiten zeigen, die nur wenigen Menschen bekannt sind. Um den Akademiesaal dreht sich Folge 16.

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Robert Förster im Akademiesaal im Aulagebäude. Er ist Tagungsraum der Mitglieder der Akademie und des Präsidiums der Universiät.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. „Das ist Klassizismus in Reinform“, meint Architekt Robert Förster vom Baumanagement der Universität und lässt seinen Blick durch den Akademiesaal schweifen. Der repräsentative Raum im ersten Stock des Aulagebäudes am Wilhelmsplatz hat sich seit seiner Einrichtung 1837 kaum verändert. Der baumbestandene Platz ist durch die großen, hohen Fenster zu sehen. Vom Lärm der Straße dringt wenig hinauf.

Im Saal tagt drei, vier Mal im Jahr die Akademie der Wissenschaften, deren Gebäude in der Theaterstraße über den Innenhof des Aulagebäudes zu erreichen ist. Zwei, drei Mal die Woche nutzt das Präsidium der Universität den Saal. Es hat seine Räume im selben Stockwerk. Bei Konzerten verwenden Künstler den Saal als Garderobe.

An dem langen Tisch in der Mitte des Raumes finden 22 Menschen Platz. Für Besucher stehen weitere Stühle sowie Bänke entlang der Wände. „Die Dekoration in klassisch-griechischem Stil ist der antiker Städte wie Pompeji und Herculaneum nachempfunden“, erläutert Förster. Die Malerei orientiert sich an antiker Keramik. Der Grundton ist ein warmer, rötlicher Terrakotta-Ton. Die Ornamente wurden mit Schablonen geschaffen.

Auf schwarzem Grund sind die griechischen Schutzgötter der Künste, Apollon und die neun Musen, dargestellt. Der Gott der Musik und der Dichtkunst spielt an der Stirnseite des Raumes die Kithara, die Gitarre der Antike. Links von ihm ist Klio, die Göttin der Geschichtsschreibung, rechts ist Urania, die Göttin der Astronomie und Mathematik, zu sehen. An den anderen Wänden sind die übrigen Musen abgebildet. In den Medaillons an der Decke gibt es unter anderem die griechischen Geschichtsschreiber Herodot und Thukydides zu sehen.

Der Saal wurde 1837 beim Bau des Aulagebäudes für die Akademie geschaffen, die seit 1751 besteht. Universitätsbaumeister Otto Prael entwarf den Repräsentationsbau. Finanziert hat ihn König Wilhelm IV., der der Universität das Gebäude zu ihrem 100-jährigen Bestehen schenkte. Ein Standbild des Monarchen, der als letzter Welfe Hannover und Großbritannien in Personalunion regierte, schmückt den nach ihm benannten Wilhelmsplatz.

„Wir haben den Akademiesaal 2011 saniert“, berichtet Förster. Restauratoren reinigten die Wandmalereien vom Staub, der sich dort im Laufe der Jahrzehnte angesammelt hatte. Fehlstellen wurden ergänzt. „Die Restauratoren verwendeten dabei eine Mischung aus Firnis, Kasein und Leinöl, dem sie Farbpigmente beimengten“, erläutert der Architekt. Damals wurden in die Zwischenräume, die sich zwischen den Dielenbrettern gebildet hatten, Leisten eingearbeitet. Sonst hat sich wenig geändert, vom elektrischen Licht und den Steckdosen unter einer Klappe in den Dielen einmal abgesehen.

Von Michael Caspar

©Hinzmann

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