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Campus-Ansichten: Innenhof des Socio-Oeconomicums

Planschbecken für die Stud-Enten Campus-Ansichten: Innenhof des Socio-Oeconomicums

Die Tageblatt-Sommerserie „Campus-Ansichten“ bietet Einblicke und Ausblicke, die die Universität und Forschungsinstitute in Göttingen von Seiten zeigen, die nur wenigen Menschen bekannt sind. Um die Stud-Enten im Socio-Oeconomicum dreht sich Folge 1.

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Kinderstube mit Pool für Stud-Enten: Stockenten-Familie im Innenhof des Socio-Oeconomicums.

Quelle: Heller

Göttingen. „Es kommen jetzt Menschen ins Gespräch, die vorher nie ein Wort miteinander gewechselt haben“, sagt Elisabeth Luft, Sekretärin am Institut für Politikwissenschaft der Göttinger Universität.

Im Innenhof des Socio-Oeconomicums ziehen zwei Entenmütter ihre Jungen auf.

Zweimal elf Küken folgen den Stockenten-Weibchen im Gänsemarsch über den Hof, der nicht frei zugänglich ist. Damit die Tiere, die liebevoll Stud-Enten genannt werden, nicht verdursten, hat Luft ein Planschbecken aufgestellt. „Die Enten haben es allerdings nach kurzer Zeit kaputtgebissen“, berichtet die Sekretärin.

Daraufhin stellten die Tierfreunde, neben Luft und ihrer Kollegin Kerstin Gebhardt noch zehn weitere Helfer, eine Schale aus Hartplastik auf. Als Treppenstufe dient eine rege genutzte blaue Kiste.

80 Liter Wasser fasst das Becken. Dreimal am Tag kommt frisches Wasser hinein, weil die Tiere ihren Pool auch als Toilette nutzen. „In verschmutztem Wasser vermehren sich schnell Keime“, warnt Hans-Heinrich Dörrie vom Arbeitskreis Göttinger Ornithologen. Auch zu fressen erhalten die Tiere. Bereits den dritten großen Futtersack haben die jungen Enten geleert.

„Die Weibchen scheinen auf menschliche Hilfe zu vertrauen“, kommentiert Dörrie. Es komme immer wieder vor, dass Stockenten an ungewöhnlichen Orten nisteten. So gebe es fünf, sechs Weibchen, die auf dem Gelände der Rosdorfer Justizvollzugsanstalt brüten.

In diesem Jahr haben die Vollzugsbeamten ein Tier mit elf Kleinen unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen vom ummauerten Freistundenhof nach draußen zu einem kleinen Rückhaltebecken geleitet.

„In Innenhöfen sind die Enten vor Katzen und Füchsen ­geschützt“, erklärt sich Dörrie das Verhalten der Tiere. Gefahr drohe allerdings von Raben­krähen. „Wir hatten bereits im März eine Ente mit elf Jungtieren, die aber nach dem langen Mai-Wochenende verschwunden waren“, berichtet Luft. Sie vermutet, das die Küken einer Elster zum Opfer fielen. Dörrie hält das für möglich.

Im Mai schlüpften im Oeconomicum dann neue Küken. Die Muttertiere mit ihren Kleinen verschwinden sofort unter den großen Blättern der 50 Zentimeter hohen Bodendecker, wenn Menschen den Hof betreten.

Diskussionen gibt es unter den Mitarbeitern des Oeconomicums, ob die jungen Enten später ausreichend Platz für Flugübungen haben. Dörrie: „Das könnte tatsächlich ein Problem werden.“ Auch über die Frage, ob künftig noch mehr Weibchen im Innenhof brüten, wird lebhaft gesprochen. Schon jetzt ist die Arbeitsbelastung der Helfer hoch.

Luft hat versucht, Studenten zur Mitarbeit zu bewegen. Drei fragten wegen der „Enten-Credit-Points“ nach, verloren aber das Interesse, als ihnen lediglich Sympathie-Punkte in Aussicht gestellt werden konnten.

Von Michael Caspar

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